Griechenland – Türkei

Griechenland (zum 2.)
Unsere vierte Woche beginnt. Der Montag soll ein Wandertag werden. Das Wetter ist uns mittlerweile sehr wohl gesinnt. Auf der Karte finden wir im Landesinnern einen etwa 1000m hohen Hügel und den erküren wir zu unserem Ziel. Bei Stefanina, einem kleinen Dorf am Berg, erleben wir dann wunderbare Idylle, und kriegen eine grosse Portion griechische
Gastfreundschaft zu spüren.
Das ging so: Kaum auf dem Dorfplatz angehalten und von den Einwohnern etwas belustigt beäugt, zerrt uns eine quirrlige Dame in die Dorfbeiz. Da sitzt der Dorfpolizist Leonid, der als einziger ein paar Brocken Englisch spricht. Wir versuchen zu erklären, dass wir auf den Berg wandern wollen, stossen aber auf taube Ohren, denn mit diesem Auto könne man da  schliesslich hochfahren. Ja, da hat er natürlich auch wieder Recht. Nachdem uns Leonids Vater auf einen Kaffee eingeladen hat, fahren wir hinter Leonid her, die Bergstrasse hoch. Nach ca. 20 min. Fahrt erreichen wird die Schweinefarm der Familie. Die glücklichen Säue und ihre über 200 Ferkel leben da im Schatten des Walds und werden von 6 Hunden bewacht.
Die grossen bewegen sich frei im Wald und kommen alle auf den Abend wieder ins Gehäge zurück. Für die kleinen ist das, wegen der vielen Wölfe da Oben, zu gefährlich. Darum bleiben die bei den Hunden.
Leonid gibt sich grosse Mühe, all unsere Fragen über die Tiere mit seinem herrlich schlechten Englisch zu beantworten. Er muss gehen und verspricht uns, nachher in der Beiz auf uns zu warten.
Wanderwege oder ähnlich haben wir keine entdeckt, also wollen wir wenigstens einmal um den Berg herum fahren. Wie das so war, seht ihr in dem kleinen Video unten. Zurück in Stefanina, werden wir von 2 weiteren Leuten in der Beiz eingeladen und es herrscht allgemein frohe Stimmung, dass doch mal endlich 2 Touristen den Weg ins kleine Dörfchen gefunden haben. Obendrein bietet unser Freund Leonid uns einen super Schlafplatz an. Im Wald, wo die Wasserquelle des Dorfes entspringt, dürfen wir uns einquartieren (die Quelle ist da tatsächlich in einem riesigen
Baumstamm drin!) Zwar bekomen wir noch schrägen Besuch von 2 sehr aufdringlichen Kräuter-Verkäufern, (wir bringen euch dann Oregano mit! 🙂 ) schlafen dann aber gut unter den uralten Ahornbäumen.
Vom charmanten Kleinod steuern wir nun auf die Mega City Istanbul zu. Gegensätze sollen das Leben ja spannend machen. Wir legen vor der türkischen Grenze in Alexandropolis noch einen Stop zum relaxen ein und machen uns dann auf ins Getümmel.

 

Türkei
Grenzübergang 1 ist zwar aus irgendwelchen Gründen gesperrt. Doch nach 1h Umweg befahren wir ohne irgendwelche Probleme türkischen Boden.  (Der griechische Beamte grinst nur übers ganze Gesicht und zeigt nach dem Blick ins Auto seinen „Daumen hoch“)
Istanbul mit seinen 16 Mio. Menschen kann man wirklich als pulsierende Stadt bezeichnen. Es ist lärmig, bunt, touristisch, Nachmittags völlig überlaufen und herrlich chaotisch und freundlich. Und – es hat Katzen hier ohne Ende. Die Türken lächeln alle freundlich und möchten uns unbedingt Tee anbieten und Geschäfte mit uns machen. Klar. So kommt es, dass wir jetzt neben unserem Oregano, auch noch Tee, Salatgewürz, Nüsse und neue Ohrringe mit dabei haben. Tja, was will man sagen… Die habens einfach drauf.
Wir lassen uns voll in die Touri-Ströme ziehen und machen eine Bosporus-Schifffahrt, schreiten Barfuss über den samtigen Teppich der imposanten blauen Moschee, tauchen ins Gewirr des Bazars, essen Kebap und wandern hoch bis zum Taksim-Platz (einige Polizeiautos stehen übrigens immer noch da). Dank dem lieben Internet wissen wir, dass auch unser Velofreund Spike in der Stadt ist und verabreden uns mit ihm. Wir haben einander von den letzten 2 Wochen viel zu erzählen und verbringen den Abend bei Chai, Efes, Köfte und Iskender-Kebap gemeinsam.
Nach dem Trubel und über 20 Sightseeing-Kilometern sind wir ziemlich geschafft und wollen nun wieder ins Grüne. Also beschliessen wir, am nächsten Morgen ans schwarze Meer zu fahren. über die grosse Bosporus-rücke fährt unser Roki zum ersten mal auf dem asiatischen Kontinent! 🙂 In Sile (Ja Sile – die Stadt heisst wirklich wie du!) müssen wir natürlich anhalten. Das kleine, bescheidene Städtchen liegt an zerklüfteter Küste und schon scheint das geschäftige Istanbul in weiter Ferne.

In der Nähe von Agva platzieren wir Roki 20m vom Meer entfernt und freuen uns über das entspannte Beach-Feeling… Aber mit der Ruhe sollte es bald vorbei sein. Der Zufall will, dass ein golden Retriever genau auf Janine zusteuert und sein Halter Christopher, ein schwuler Amerikaner, beginnt sofort uns angeheitert zu berichten. Sein neuer türkischer Freund Keram und er, sowie Lumpi der Hund (echt wahr! :)) machen gerade sowas wie den ersten Urlaubstest.
Die beiden haben schon reichlich Bier intus und erzählen uns sehr offen aus ihrem Leben. Sie lassen sich von uns zu Spaghetti einladen und schleppen noch mehr Bier an. Der Abend ist lustig und ausgelassen (Adi wird laut der beiden als „hot“ eingestuft) und für uns wie eine Fernseh-Soap… Denn die beiden verstehen es, sich in die strübsten Lebenssituationen zu verstricken (Erinnert ein wenig an dich, Nad :)) und wir brauchen nur selten was zu sagen… Denn sie plappern in einem Fort. 🙂
Anderntags bekommen wir schon wieder Besuch. Zum einen von einer Herde Ziegen und zum anderen von den „Heavy Brothers“ eine Gruppe türkischer Enduro-Fahrer. Ihr Präsident, Cenk, ist gerade dabei, seine 1200er BMW zu verkaufen und will sich stattdessen eine Defender anschaffen. Unser Umbau, vorallem das Hubdach beeindruckt sie ausserordentlich.
Sie sind alle total interessiert und zeigen uns einige coole Routen im ganzen Land. Die Biker-Jungs sind schon recht herum gekommen hier in der Türkei und im mittleren Osten. Wir schliessen sofort Freundschaft und die Jungs kochen abends für uns, schenken Raki aus und lachen über unsere  Reaktion bei ihren türkischen Spezialitäten. (Violetter Rüeblisaft mit reichlich Chili… Gmpf…) Wir geniessen den Abend mit Gleichgesinnten und plaudern bei Köfte und Lamm angeregt über Outdoor-Themen… Viel zu rasch vergeht der Abend!
Weiter gehts südwärts, wir wollen etwas Strecke schaffen. Ein See bei Iznik wird von uns als nächstes Ziel anvisiert. Wir fahren durch Landwirschaftsgebiet, an silbernen Olivenhainen vorüber und begegnen endlos vielen Traktoren – alle mit mindestens einer bekopftuchten
Frau auf dem Anhänger geladen. Es werden Früchte am Strassenrand verkauft und es herrscht friedliche Geschäftigkeit. Unser Schlafgemach liegt heute direkt am See, unweit von ein paar Fischern. Die Kinder spielen und beobachten uns mit scheuer Neugier. Als ein kleiner Junge sich beim hinfallen das Knie aufschlägt, nehmen sie ihren Mut zusammen und kommen vertrauensvoll zu uns. Süss, der Junge lässt sich tapfer von uns verarzten und seine Schwestwer guckt mit grossen Augen zu. Wer weiss, vielleicht liegts am schweizer Kreuz, das RoKi schmückt? Sie bedanken sich herzallerliebst und hüpfen aufgeregt davon.
Nicht viel später fährt rassig ein ganzer Wagen voller Leute zu… 3 Frauen in unserem Alter gigelen fröhlich und besuchen uns zusammen mit ihrer Kinderschar. Wir verstehen kein Wort und sie auch nicht 🙂 Trotzdem haben wir eine lustige Unterhaltung mit den aufgeregt schnatternden, übers ganze Gesicht lachenden Damen und Kinder. Super liebe Leute sind das hier – wir sind von ihrer Herzlichkeit gerührt.
Rund um den See hats skurril aus der Landschaft ragende Felsen. Wir klettern auf 2 davon und geniessen die Aussicht, sowie das anschliessende kühle Bad im Nass. Eine Idylle ist das hier… Die Türken sind überall am grillen und Picknicken, es ist anscheinend ein Feiertag. Ein Problem gibts allerdings. Eine unserer Gasflaschen ist leer. Wir klappern vergeblich die Tankstellen ab, die zwar haben was wir wollen, es jedoch nicht in unsere Flasche kriegen. Fast schon, entschliessen wir uns, eine türkische Flasche zu kaufen, als wir die rettenden Männer treffen.¨
Die nächste Tankstellen-Familienbande ist entschlossen uns zu helfen. In den nächsten 1.5 Stunden basteln und tüfteln sie an Adapter, Schlauch und Flasche herum. Und – oh Wunder! Es funktioniert! Ab sofort sind wir in der Lage, bei jeder LPG Tankstelle unsere Gasflaschen zu füllen. (@Eusi, quasi Wynengas). Yeah!
Freudig fahren wir los, immer südwärts und befinden uns nach ca. 2h plötzlich in fantastischer Landschaft. Fast schon amerikanische Weite, tiefe Schluchten und weit und breit keine Zivilisation mehr zu sehen. Hier, oberhalb eines Flussbeckens finden wir den perfekten Schlafplatz. (Koordinaten auf Anfrage :))

Zum Trost für euch Daheimgebliebenen, die ihr so tüchtig arbeitet und weniger Zeit zum relaxen habt, so wie wir… Es gibt in unserem Paradies auf vier Rädern auch miserable Tage!
Ein Beispiel: Tagesziele sind waschen, Autogarage zum Getriebeöl-Check, WiFi finden zum Reisebericht-upload. Das sind viele Ziele ja – deshalb denken wir uns, früh losfahren und nicht enttäuscht sein, wenn halt nur 1 der 3 erreicht wird. Tatsächlich erreichen wir gar nix und stattdessen bleiben wir im Horror-Verkehr einer verlumpten Kleinstadt stecken, das Navi lässt uns im Stich, die Kreditkarte funktioniert nicht, Waschsalons gibts nicht (langsam wirds eng mit den frischen Unterhosen),Garagen verkaufen nur Gebrauchtwagen und Wifi ist auch im 3. McDonalds und der 5. Dönerbude kein vernünftiges zu finden. Ausserdem treibt uns der Heuschnupfen in den Wahnsinn und die Blase drückt auch noch im falschen Moment. Ach ja- wenn dann auch noch das unkaputtbare Handydisplay in die Brüche geht- Dann kommen wir ziemlich an die Grenzen.
Abwechslungsweise hält einer am Optimismus fest und der andere widmet sich dem Fluchen. Bei der Schlafplatzsuche werden wir vor Bären gewarnt und irren verzweifelt umher, praktizieren U-Turn noch und nöcher, schnauzen uns an und beruhigen uns wieder….Und denken uns dann, wie einfach das alles doch Zuhause wär.

Ein Wort zur Bordküche, falls das jemanden interessiert:
Neben Klassikern der Reiseküche wie Spaghetti mit Sauce-Surprise, Reis mit Resten, oder Gschwöuti mit „was der Kühlschrank hergibt“ haben wir dem kleinen Gasherd schon ein paar Highlights entlockt. Fajitaplausch, Knoblibrot, Trüffelpasta oder Dampfzwiebeln. Das erste Brot ging leider in die Hose. 🙁 (Vor lauter Besuch-Ablenkung die Hefe vergessen. Fataler Fehler).

Es sind nun also schon mehr als 4 Wochen vergangen. Die Zeit rast!
Aber wir vermissen euch manchmal und trösten uns mit euren USB-Sticks  mit den Worten: „Von wem möchtest du heute was hören?“ 🙂 Wir freuen uns schon wahnsinnig, bald die kleine VgF-Delegation in Yesilova zu treffen und mit ihnen den Süden unsicher zu machen!

Bis dann wünschen wir euch einen herrlich heissen Sommerstart, geht campen & offroaden, zeigt stolz eure Bikinifiguren und habt viel Spass bei den ersten schwarz durchgebrötleten Cervelats!