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Malaysia – Indonesien

Malaysia zum zweiten und Bali

Wie Adi fast einen Verschiffungsagenten vermöbelt und wir uns die Hände schrumplig schrubben. Von unserem Wiedersehen mit Mike-„Spike on the bike“ und von der Spannung, die bis zuletzt anhält, ob der Verschiffungskrimi ein gutes Ende nimmt. Und dann natürlich noch vom alles wieder gut machenden Empfang auf Bali. Aber mal von Vorne.

Die Einreise in Malaysia

Nachdem Adi in Koh Lanta der Daumen genäht wurde, machen wir uns auf zur Malayischen Grenze. Der unterste Zipfel Thailands gilt laut EDA als unsicher und so beschliessen wir, die letzte Nacht nicht ganz so weit unten, nämlich in der Nähe von Trang zu verbringen. Anderntags erledigt sich das Grenzprozedere fast wie von alleine. Erstens haben wir Übung und die Thais zweitens und die Malayen drittens auch. Schwupps, wir sind wieder in Malaysia, schon wieder ein bekanntes Fleckchen und erneut rufen wir uns die wenigen erlernten Sprachfetzen in Erinnerung und klauben das übriggebliebene lokale Bargeld aus dem Kasseli.

Angelversuche

Jetzt aber! Wir wollen es nochmal wissen und nehmen uns als erstes in Malaysia einen grossen Stausee vor, um dort endlich einen richtig fetten Fisch zum Znacht zu fangen. Es tummeln sich viele Locals mit Ruten um das ruhige Gewässer – scheinbar erfolgsversprechend hier. Die Abenddämmerung legt sich über die Hügel, die Luft kühlt angenehm ab und im blauen Schimmer des Sees spiegeln sich ein paar wuchtige Wolken. Die eifrigen Damen am Ufer, die schon einen ganzen Plastiksack voll Fische rausgezogen haben, beraten uns fachmännisch und teilen ihren Köder mit uns – ein nach Curry riechender, gelber Teig. Voller Optimismus macht Adi sich ans Werk. Und dann Janine.
Drei Stunden später haben wir, ausser die frechen Fischli mit Teig zu füttern, nichts erreicht. Petri Unheil, quasi. 🙂 (macht ja nichts, wir haben noch ca. 3,5 Monate Zeit)
Die Nacht dürfen wir, da wir sonst nirgends fündig werden, bei einem Feuerwehrdepot verbringen und die netten Männer passen auf uns auf. Hier in Malaysia soll es „not safe to sleep in the car“ sein. Sagen uns die Leute jedenfalls immer wieder.

Klang, Nervenprobe auf höchstem Niveau

Das grosse Ziel ist ja der rote Kontinent. Damit die Australier auch wirklich nichts an uns auszusetzen haben, planen wir eine ganze Woche Zeit zum putzen ein. Im Vorhinein hat Adi schon 3 Offerten für die Verschiffung eingeholt und nach eingem Abwägen, haben wir uns für die Firma ECULine entschieden, die uns zuverlässig und speditiv Timeline und die Kostenzusammenstellung zugestellt hat. Am Sonntag kommen wir in Klang an, der Suburb von KL und finden den idealen Platz für die bevorstehende Putzwoche. Das Hotel Viva liegt in Gehdistanz zum Verschiffungsagent, hat einen günstigen Inder um die Ecke (24h Betrieb und Reisteller für 2.-), den Waschsalon und Supermarkt in der Umgebung, den chinesischen Bauminimarkt als Nachbar und liegt im Kostenbudget. Montags, nach dem ersten Putzanlauf, betreten wir dann das Büro von Eculine. Hoppla! Der Wolkenkratzer mit seinen herausgeputzten Teppichetagen ist so gar anders als das improvisierte indische Zimmerchen in Kolkatta. Etwas geblendet von der professionellen Aufmachung treffen wir erstmals den verantwortlichen Agenten.
Leider stellt sich im Verlauf der Woche heraus, das der zwar die schöneren Lederschuhe als seine Berufskollegen in Kolkatta trägt und sein Englisch englischer rüberkommt, dies jedoch kein Indiz für Professionalität und Engagement sein muss. Während wir, an den zugestellten Zeitplan anknüpfend, das Auto putzen, warten wir vergebens auf neue Informationen betreffend der gebuchten Aussenreingung und des sogenannten Lashings, dem verzurren im Container. Die Firma enttäuscht unsere Erwartungen und wir müssen mehrmals vorbei gehen, auf den blankpolierten Tisch klopfen und unsere Abhängigkeit vom Zeitplan deutlich machen. Wird Roki nicht pünktlich eingeschifft, verpassen wir nämlich höchstwahrscheinlich die Fähre nach Tasmanien. Was erstens Weihnachten ohne Familie und zweitens hohe finanzielle Verluste bedeuten würde. Unseren Frust können wir nicht verbergen und nur beim schrubben etwas ablassen. Aber eben, die Warterei zieht sich hin… Der Agent vergisst ein Formular, das RoKi als „Dangerous Good“ deklarieren soll. Den angesetzte Termin fürs Lashing verpassen wir deshalb. Schon wieder sind wir wegen der Verschifferei ganz arg frustriert. Diesmal denn auch noch ganz überrascht, das es trotz guter Vorbereitung nicht klappt. Hier ist ja nicht Ramadan wie letztes Mal in Dubai. Und nicht Hochwasser wie in Mumbai. Nein, diesmal liegts einzig und allein an der Unerfahrenheit und Vergesslichkeit unseres Partners, das wir hier in festsitzen. Wir verfluchen alle Verschiffungsagenten der Welt und trösten uns beim Inder mit ganz viel süssem Tee!
Nun sind wir schon so lange hier, dass jeder in der Strasse uns morgens wie ein bekannter Nachbar begrüsst und wir die Menükarte an der Ecke auswendig kennen. Schön daran ist, dass beim Putzen immer wieder Besuch vorbei kommt und sogar mal eingeladen werden im Restaurant. Als Belohnung für den Einsatz gönnen wir uns dann ein Wochenende in der City und gehen wiedermal ins Kino, besuchen die extravaganten Petronas Towers, die Batu Caves, wo ein hinduistischer Tempel in eine riesige Höhle eingebettet ist, und spazieren im öffentlich zugänglichen Reh -/ Orchideenpark.
KL ist auf alle Fälle ein Besuch wert.

Wie wir putzen

Ich möchte hier etwas detailierter Beschreiben, welchen Aufwand wir auf uns nehmen, damit wir den lieben Australiern auch wirklich keine biogefährdenden Materialen einschleppen. Erstmal kommt alles raus aus der Kiste. Der Innenraum wird gesaugt und mit Seifenwasser und Bürste geschrubbt. Alle Textilien, inkl. Bettinhalt werden gewaschen und in die sauber gereinigten Kisten verstaut.
Jeder einzelne Schraubenzieher, jede Wäscheklammer, jedes Buch wird auf Verunreinigung untersucht, mit dem neuen (!) Lappen abgewischt und säuberlich verstaut. Jede Naht in den Polsterungen wird ausgesaugt. Der Wassertank 4x gespült. Die Armatur und der Fussbereich werden erst mit Seifenwasser geschrubbt, dann mit Zahnbürste und Wattestäbchen genauestens ausgeknibbelt, bevor alles mit Cockpitpflege auf hochglanz gebracht wird. Die Türen benötigen besondere Aufmerksamkeit, denn jede Dichtung befreien wir von hartnäckigem Schmutz und pflegen sie anschliessend mit Silikonspray. Dabei flicken wir auch das eine oder andere Eckchen mit Sekundenleim, Kitt oder – wenns zwar sauber ist, aber nicht so aussieht – einfach mit schwarzem Lackspray. Dann kommt alles, ausser unser Baligepäck wieder rein an seinen Platz.
Der Motorraum bekommt eine zärtliche, fettlösende Handwäsche mit der Zahnbürste und viel Schaum. Wir geben alles.
Stolz sind wir jetzt, Blasen zeugen von unserem Einsatz, der Rücken erinnert an die geleistete Arbeit. Von unserer Seite her sind nun, das glauben wir bis dahin, alle Vorbereitungen getroffen. Die Rucksäcke liegen gepackt im Hotelzimmer und nun warten wir nur noch auf die Jungs mit dem Hochdruckreiniger, die aussen nun mindestens genauso akribisch pingelig reinigen sollen wie wir innen. Die Aussenreinigung haben wir nämlich über den Agenten gebucht.

Der Aufsteller

Von Spike on the Bike, dem verrückten Briten auf Katie, seinem Velo, haben wir euch ja bereits mehrmals berichtet. Das Schicksal will es, das wir ihn tatsächlich wieder sehen! Unglaublich, aber wahr – wir haben in exakt der gleichen Zeitdauer Asien durchquert. Michael – den wir in Istanbul zuletzt gesehen haben – auf der nördlichen, wir auf der südlichen Route. Bei Dosenbier am Fluss in Kuala Lumpur, erzählen wir uns die strübsten, lustigsten und abenteuerlichsten Erlebnisse und freuen uns wahnsinnig, das unsere Wege sich genau hier nochmal kreuzen. Ein toller Abend mit einem tollen Menschen.

Besser spät als nie

Am Abend vor unserem Abreisetag gipfelt der Verschiffungskrimi in nervenaufreibender Spannung. Den ganzen Tag verbringen wir auf einem Waschplatz mit ein paar begummistiefelten, indischen Carwash-Jungs. Von denjenigen gibt es dort zwar einen Haufen, was es jedoch nicht gibt, ist der versprochene Hochdruckreiniger, sowie heisses Wasser. Als der gute Autowaschprofi nach ca. 20 min. mit seiner Prozedur durch ist, schauen wir uns sein Werk gespannt an. Nein, da muss er nochmals gründlich drüber. Gestikulierend und mit Nachdruck, zeigen wir auf schmutzige Stellen am Chassis und versuchen klar zu machen WIE sauber das hier werden soll. Leider sind die Vorstellungen verschieden und nach der dritten Schlauchdusche legen wir selber Hand an. Mit unverdünnter Chemie und  Bürste bewaffnet, machen wir uns am Unterboden zu schaffen. Dann, schätzungsweise 1000 Liter Wasser später, steht Adi nass bis auf die Unterhose auf dem ölverschmierten, sandigen Waschplatz. So harte Arbeit sind wir beiden verwöhnten Strandspaziergänger uns nicht mehr gewohnt.
Nach dem Trocknen übersprayen wir die unschönen Stellen mit schwarzem Lack.
Der Agent enttäuscht uns abermals und es ist schon dunkel, als der Abschlepptruck auf der Matte steht. Ausserdem regnet es in Strömen. Roki wird auf die schmierige Rampe aufgeladen und es geht los zum Hafen. Würden wir fahren, könnte die Putzerei von vorne beginnen, deshalb der Truck. Dort, nach weiteren Diskussionen (die zuständige Person hat Feierabend, es ist 22.00 Uhr) wird endlich ein leerer Container herbei gebracht. Aus Karton und Holzplatten basteln wir eigens einen „Teppich“ damit den Reifen auf dem Hafengelände kein Dreck anhaftet. Wir verlangen einen Besen, um den Containerboden eigens von eventuellen Unerwünschtheiten zu befreien. Danach, als Adi die Karre in die Stahlbox gezirkelt hat, wischen wir die Reifen zusätzlich alle nochmal ab. Batterie abhängen, letzter Kontrollblick mit der Taschenlampe und…23.00 Uhr: GESCHAFFT! Eine volle Woche später, 16 h vor Abflug nach Bali und ein paar graue Haare mehr.

Traumhaftes Bali / Indonesien

Ganz aufgeregt setzen wir uns in den Air Asia Flieger. Unsere strapazierten Nerven und geplagten Glieder sehnen sich nach der Erholung am Strand und unsere Herzen nach den beiden lieben Edith und Beni. Erstmals nach 7 Monaten ist da am Flughafen tatsächlich jemand, der uns abholt. Wir fallen uns in die Arme und können unser Glück kaum fassen! Adis Eltern haben für alles gesorgt und wir dürfen uns einfach ins Taxi setzen, unsere Geschichten sprudeln lassen und uns ganz dem süssen Wiedersehen hingeben. 4 Tage verbringen wir in Jimbaran in einem entzückenden Resort mit hinreissendem Frühstücksbuffet, traumhaftem Strand und ganz vielen gemütlichen Plauderstunden. Himmel, wie wir das jetzt geniessen!
Ein Ausflug nach Kuta, der touristischen Hochburg auf Bali, zeigt uns die, sagen wir mal belebtere Seite der Insel. Ein überfüllter Strand mit duzenden Surf-Anfängern, Strandverkäufern noch und nöcher und Australiern, die mit ihren Ferienstrohhütchen und einem kühlen Bier auf Plastikstühlen im Sand einsinken. Wir machen fröhlich mit. 🙂
Ab Mittwoch machen wir dann den Rest der Insel unsicher und entdecken zu 4t balinesische Kultur und Natur.

Uns geht es also grossartig! Happy End im Verschiffungskrimi. Hoffen wir nur, dass mit der Ankunft nicht auch noch so viel schief geht… Bitte drückt uns die Daumen!
Wir wünschen euch eine wunderbare Adventszeit, mit lieben Menschen um euch herum, und hoffentlich ganz vielen puderzuckrigen, weissen Flocken, die euch den Winter versüssen.

Cheers, J&A

Beobachtungen von unterwegs

Beobachtungen, Meinungen und unnützes Wissen
von Adi

Verkehr & Verkehrsmittel
Mehr als 27000km sind wir nun schon auf den Strassen Europas und Asiens unterwegs. Balkan, Türkei, mittlerer Osten, indischer Subkontinent, Südostasien. Diverse Weltmeere gesehen, beudeutsame Flüsse und Brücken überquert, durch die Wüste, über Berge und durch den Dschungel gefahren.
So vielfältig wie die Landschaften, so vielfältig sind die bevorzugten Verkehrsmittel in den einzelnen Ländern. Bis und mit Kroatien sieht man den aktuellen Einheitsbrei, der auch auf unseren Strassen so unterwegs ist. Ab Bosnien wirds dann interessant. Ab hier verfolgen uns die in Lizenz gebauten Modelle:

  • Bosnien:
    alles mögliche, viele alte Zastava & Yugo (Lizenz-Fiat), viele Dacia’s
  • Montenegro:
    recht viele luxoriöse deutsche Modelle, Dacia’s aber auch viele Landwirtschaftsfahrzeuge unterwegs
  • Albanien:
    recht viele luxoriöse deutsche Modelle, Dacia’s aber auch viele Landwirtschaftsfahrzeuge unterwegs
  • Kosovo:
    Europa’s secondhand-Flotte ist hier unterwegs. Viele alte Modelle welche bei uns in den Export kommen, sind hier unterwegs. Aber auch neue, meist schwarze, Audi, Mercedes, BWM.
  • Mazedonien:
    alles mögliche, viele alte Zastava & Yugo (Lizenz-Fiat), viele Dacia. Bei den Nutzfahrzeugen sieht man vorallem französische oder chinesische Traktoren
  • Griechenland:
    das erste Pickup-Land! Jeder der ein Stück Land besitzt und bewirtschaftet, fährt einen
    oft etwas älteren, japanischen Pickup. Mitsubishi, Toyota, Mazda dominieren das Strassenbild
  • Türkei:
    Einheitsbrei, sehr viele ältere Renault (auch Lizenzmodelle), auffallend viele neue VW Amaroks, extrem viele Dacia (vorallem Duster) und Türkei-Eigenproduktionen wie der Tofas Dogan (Lizenz-Fiat). Bei den landwirtschaftlichen Fahrzeugen dominieren alte Fiat-Traktoren, immerzu von älteren Herren im Jacket gefahren und eine Art Wolldecke über die Motorhaube gelegt
  • Iran:
    Im Iran dominieren vorallem zwei Marken: Peugeot (in Lizenz bei Iran Khodro) und Kia (in Lizenz bei Saba). Daneben viele Dacia Logan, hier aber als Renault Logan verkauft. Bei den Peugeots gibts vorallem die Modelle 206, 405 und der modifizierte 405 namens „Pars“. Diese werden allesamt im Iran produziert. Von den Kia’s gibts eigentlich nur ein Modell, ein Kleinwagen dessen richtiger Name ich nicht kenne, aber im Iran fährt er als „Saba Saipa“ durch die Gegend. Bei den Nutzfahrzeugen dominieren vorallem der immerzu blau lackiert Saba Zamyad (den gibts übeeeeerallll!!!!!) und bei den LKWs gibts alte amerikanische Mack und in Lizenz gebaute Mercedes Kurzhauber. Diese fahren noch zu tausenden rum
  • VAE:
    Toyota Land!!! Die Klischees, die man aus dem TV über Dubai und co. kennt, stimmen zwar alle. Man sieht Bentley’s, Ferraris, Mercedes, RangeRovers etc., aber dominieren tun ganz klar die 4×4 Fahrzeuge der Japaner. Man sieht vorallem Toyota Landcruiser Prado, Landcruiser V8, FJ Cruiser und oft den Fortuner, welcher nicht nach Europa verkauft wird. Daneben viele Nissan Patrol (das neue SUV-Modell Y62, welcher auch nicht nach Europa gebracht wird) den bei uns unbekannten Nissan Armada und viele Lexus SUV’s. Wenn jemand ein „normales“ Auto fährt, dann ist das meist ein Hyundai. Bei den kleineren Nutzfahrzeugen sieht man vorallem den Toyota Hilux, meist beladen mit 5 Indern oder Pakistani’s und Baustellengerät hinten drauf.
    Die allgegenwärtigen Busse voller Arbeiter sind zumeist aus dem indischen Hause Tata
    Eins haben aber alle gemeinsam: geschätzte 70% aller Fahrzeuge in VAE sind weiss oder silbern
  • Oman:     
    eigentlich wie VAE
  • Indien:
    TATA und Mahindra! Über den Verkehr und die Verkehrsteilnehmer in Indien an und für sich könnte ich eigentlich ein seperates Buch schreiben. Man hat hier täglich mehrere Nahtoderfahrungen und sieht die verrücktesten Mobile, resp. die abartigsten Reparaturen.
    Die lokalen Marken TATA und Mahindra dominieren ganz klar die Auto’s, SUV’s,  Geländefahrzeuge und die Nutzfahrzeuge. Daneben gibts viele Dacia Duster (hier als Renault Duster oder Nissan Terrano unterwegs) und Logans (auch als Renault) und sehr viele kleine Hyundais und Suzuki Swift. Letztere werden bei Marrutti in Lizenz gebaut, die Hyundais enstammen auch eigenen indischen Produktionsstrassen. In Indien gibt es eine Luxussteuer für Importautos, deswegen wird hier soviel selber produziert. Wer etwas auf sich hält, fährt einen Toyota Fortuner. Daneben tummeln sich auf Indiens strassen natürlich noch unzählige Roller, Motorräder (viele Royal Enfield) und Millionen von Rikshaws. Diese haben diverse Hersteller, die gefühlte Mehrzahl sind aber Piaggo, aber auch die Made in India. Vorallem rund um Kolkata sieht man (zB alle Taxi’s) auch noch sehr viele „Ambassador“, ein altes Austin-Modell, welches noch bis vor 2-3 Jahren in Indien produziert und mit einem Isuzu-Dieselmotor ausgestattet wurde. Allen Fahrzeugen gemein ist, sie sind verbeult, verkratzt und stümperhaft repariert.
  • Malaysia:    
    Wieder ein Lizenz-Land. Die Marke Perodua produziert Hyunday Modelle in Lizenz und die Marke Proton produzierte bis vor ein paar Jahren noch Mitsubishi Modelle in Lizenz, hat jetzt aber auch eigenständige Autos im Portfolio, welche von den jungen Malayen gerne im „Fast&Furios“-Style getunet werden. Daneben sehr viele Toyota Hilux Pickups, vorallem in den ländlicheren Gebieten. In den Cameron Highlands, mein persönliches Highlight, geben die alten Serie-LandRover und Defender den Ton an. Diese wurden damals, wer hätte das gedacht, in Lizenz in Malaysia gebaut, überwiegend als Fahrzeuge für die Armee und die Landwirtschaft. Bis heute gurken in den Cameron Highlands immer noch geschätze 7000 alte LandRover rum, oft mittlerweile mit Nissan-Motoren, Honda-Lenkrädern etc.
  • Thailand:   
    Thailand ist Pickup-Land. Klare Nummer 1: Toyota Hilux, gefolgt von dem Isuzu D-Max, Mitsubishi L200, dem neuen Mazda BT-50 und dem neuen Ford Ranger. Auffallend, es sind fast nur die aktuellsten Serien der genannten Modelle unterwegs, kein Pickup ist älter als 5 Jahre.
    Die Pickups alles Marken haben hinten idR einen Gitter- oder Blechaufbau und werden für den Transport von so ziemlich allem benutzt. In den Städten sind die Pickups hinten oft mit einer Art Kabine ausgestattet und fungieren so als Taxi. Daneben gibts wieder sehr viele Toyota Fortuner (der verfolgt uns langsam) und bei den kleineren Transportern sind es meistens Toyota Hiace und bei den grösseren die Isuzu- und HINO-LKW. Die allzeit präsenten Reisebusse sind übrigens fast allesamt nagelneue, futuristisch designte SCANIA 3-Achser Doppelstöcker. Oftmals voll verklebt mit irgendwelchen Comic-Muster, so sieht man den Transformers-Bus, Hulk-Bus, AngryBirds-Bus etc.
  • Laos:  
    Laos gilt als eines der ärmsten Länder der Welt. Überraschenderweise dominieren aber auch hier die silber- und champagnerfarbenen Toyota Hilux der neuesten Generation. Wie das geht, resp. wie sich dies die Laoten leisten können, ist mir ein Rätsel. Auch den neuen Ford Ranger mit dem 6zyl Dieselmotor sieht man immer wieder. Und natürlich, den Toyota Fortuner. Eine holländische Ladie, die in einer Öko-Tourismus Agentur arbeitet hat mir erklärt, dass die Chinesen den Laoten ihr Land abkaufen (vorallem Reisfelder, Bananen- und Gummiplantagen) und sich diese von dem Geld gerne einen neuen Hilux kaufen. Im Gegensatz zu Thailand ist die Ladebrücke hinten drauf meist original, ohne irgendwelche Aufbauten. Ansonsten sehr viele Hyunday/Kia Starex als Minibusse, Hyunday H1 als Kleintransporter und Halboffene Taxis. Bei den LKWs sind es die Isuzu und unzählige chinesische Marken wie SKAT, JBC, KNCCT, HSBL etc. Diese LKW’s haben aber immer eine verblüffende Ähnlichkeit zu älteren Mercedes Actros und Iveco LKWs. In der Landwirtschaft dominieren vorallem Einachser in allen Farben und Formen, vorallem Modelle von Kubota.
  • Kambodscha: 
    Das Land welches mich am meisten überraschte. Echt Krass was hier rumfährt. Der Hilux ist beliebt, aber noch beliebter sind die beiden grösseren Toyota Pick-Ups, der Tacoma und der Tundra. Letzterer ist übrigens ein Full-Size Ami-Pickup im Stil von Dodge RAM und Konsorten, natürlich mit 5,7L V8. In Phnom Penh sieht man fast mehr Luxus-SUV’s als in Dubai. Lexus LX470 und der neue LX570, Range Rover Sport, Toyota V8, Toyota Fortuner etc. prägen das Strassenbild. Aber auch Bentley’s und RollsRoyce sieht man. Und dass in Kambodscha… Wo der grösste Teil der Bevölkerung von weniger als 100$ im Monat lebt. Korruption sei Dank.
    Eine weitere Überraschung halten die Kleinbusse für mich bereit. Während in den vorhergehenden südostasiatischen Ländern die Toyotas, Kias und die Hyundays
    vorherrschen, sind es bei den Khmer die etwas älteren Mercedes MB1400 und ihre koreanischen Kopien von SsangYong und Daewoo. Ganz lustig sind auch die Rikshaws, resp. TukTuks. Wir kennen ja die dreirädrigen Motorräder aus Indien und Thailand. In Kambodscha fahren die „Taxi-Unternehmer“ ein anderes Modell: 125ccm Roller mit einer Art selfmade-Sattelaufliegerkupplung für einen Kutschen-ähnlichen Anhänger. In der Landwirtschaft sieht man vorallem die bereits bekannten Kubota-Einachser. Die Motoren dieser Einachser sieht man in Thailand/Laos/Kambodscha oftmals auch auf selbstgebastelten Traktoren. Gibt da ganz viele
    lustige Konstruktionen. Jeder der einen Umzugs-Wagen für die Luzerner Fasnacht baut, hätte seine helle Freude daran.

Umwelt:
Ich bin ja selber auch nicht gross ein Umweltschützer oder Greenpeace-Anhänger. Aber bei Thema Abfall und Littering, da kenne ich eigentlich kein pardon. Jede/r der schon mal mit mir an einem Openair-Festival oder sonstigen Camping-Weekend dabei war, weiss das oder hat das schon mal am eigenen Leib erfahren. Ok, meine Subarus und LandRover die ich schon besessen hatte oder ich noch tue, sind und waren keine Spritsparer. Ich bin kein Heiliger.
Aber bei Littering und Entsorgung hört der Spass halt einfach auf. Die Schweiz ist sauber. Ja, vielleicht aber auch nur, weil unsere Gemeindearbeiter so gut aufräumen. Ja, wir Schweizer leisten uns vielleicht sogar einfach den Luxus, mal etwas weg zu schmeissen, mit dem Hintergedanken, der Typ in der orangen Uniform räumts dann schon wieder weg. Das ist natürlich der falsche Ansatz. Jede und jeder hat in seiner Erziehung und in der Schule gelernt,
das sich Littering einfach nicht geziehmt.
Leider fängts hinter der schweizer Grenze an mit dem Grauen. Ohne Ausnahme, Italien, Slowenien, Kroatien, Bosnien, Montenegro, Albanien, Kosovo, Mazedonien, Griechenland, Türkei, Iran, VAE, Oman, Indien, Malaysia, Thailand, Laos und Kambodscha: überall sieht man Plastikverpackungen, Plastiktüten, Chipstüten, Kaugummi-Papierli, Reifen, Autowracks, Bauschutt und weisswasnoch herumliegen. Vorallem entlang der Hauptverkehrsachsen, auf Raststätten, in Stadtparks, auf Parkplätzen, an Abhängen, in und an Flüssen, an Stränden, am Stadtrand etc. sieht man den Müll rum liegen. Mal mehr, mal weniger. Beim Tauchen & Schnorchel im Meer sieht man auch immer mal wieder Plastiktüten auf dem Meeresgrund rumliegen.
Aber warum eigentlich? In Indien lag für mich die Lösung nahe. Die Inder assen früher alles auf und aus Bananenblättern, welche sie nach dem Gebrauch einfach irgendwo hinschmeissen konnten, denn das ist ja quasi Kompost den man da weg schmeisst. Nur leider kamen dann irgendwann die neuen Plastikverpackungen und die alten Gewohnheiten vom wegschmeissen blieben. Fatal.
Krass ist auch, wenn man mal einkaufen geht. Egal auf ob auf dem lokalen Gemüsemarkt oder in einem Monster-TESCO. Egal auch in welchem Land von Europa bis Asien werden einem die Plastiksäckli geradezu aufgedrängt. Jedes Gemüse wird einzeln abgepackt, danach alles noch in eine Tüte. Ist etwas schon in Folie verpackt, kommt noch ein Plastiksäckli drum. Kauft man sich einen frischgepressten Fruchtdrink auf der Strasse, wird der Plastikbecher in eine eigens dafür designte Plastiktüte gepackt. Manchmal müssen wir ziemlich rabiat werden, um zu verhindern dass wir schon wieder alles in eine neue Tüte gepackt bekommen. Lustige Anekdote: in Indien gibt es eine Supermarktkette namens „BigBazaar“. Da hängt oberhalb der Kassiererin immer
ein Schild „say NO to plastic bags“. Und was macht die Tante hinter der Kasse? Sie fängt immer gleich sofort an, den ganzen Einkauf in Plastiktüten zu verpacken. NEIN, wir brauchen keine Tüte Wir zeigen auf das grosse Schild über ihrem Kopf und sagen: NOOOO!! Wir haben immer noch unser Migros-Tüte mit dem Migi-Säuli drauf dabei!!! Die Tante schaut dann immer ganz verdattert drein, als ob wir von einem anderen Stern seien.
Oder wenn man sich in Thailand eine Packung Schoko-Guetzli leistet, sind diese innerhalb der Plastik-Verpackung nochmals jeweils zu zweit in einem Papier-Förmli und diese dann wiederum in einer festen Kunststoff-Schale. Also bitte… Ok, Wernli-Guetzli sind auch nicht gerade dafür
bekannt, Meister in rezyklierbarn Verpackungen zu sein. Und diese ganzen Plastiksäckli, Verpackungen und PET-Flaschen liegen dann überall in der Natur rum.
Wenn jemand mal meint, er sei klever, sammelt er den ganzen Müll ein und macht im Garten oder vorne an der Strasse damit ein hübsches kleines, schwarzrauchiges, stinkendes Feuer…
Und diese Feuer sehen wir quasi täglich und in jedem Land. Wääääh, stinkt das! Richtig beissend ist das manchmal in der Nase. Auch hier herrscht massiver Aufklärungsbedarf.
Wir verbrennen unseren Abfall ja auch, aber bei uns wird der Rauch gefiltert, gereinigt, gewaschen etc. und die ganze Schlacke und Reststoffe werden in Deponien gebracht.
Ok, vor 30 und mehr Jahren hat das in der Schweiz auch noch niemanden gekümmert und ich kenne auch heute noch Leute, welche nach einem Grillplausch im Wald den Abfall lieber auf das Feuer werfen als die Einweg-Teller wieder nach Hause zu nehmen. Auch wurde bei uns früher gerne alles einfach in den Boden verscharrt (Kölliken lässt grüssen), aber es wissen doch
mittlerweile alle in unseren Breitengraden, dass das mit dem Abfall so seine Probleme birgt.
Gibt es eine Lösung? Hab ich eine Lösung? Nein, irgendwie scheint es das nicht zu geben.
Aber anstatt in irgendwelchen Entwicklungsländern Theaterproduktionen zu unterstützen (echt wahr, der Bund finanziert in Laos ein Theaterstück), könnten meiner Meinung nach unser DEZA, EDA oder die ganzen NGO’s und wie sie alle heissen, doch mal zur Abwechslung ein Abfall-Aufklärungsprojekt unterstützen oder ins Leben rufen.

Und ein Aufrauf an ALLE! An alle OpenAir-Gänger, an alle Fasnächtler, Camper, Schüler, Stadtbewohner, Hobby-Bastler, Stadtfest-Besucher, Pendler, Drive-In-Konsumenten, Autofahrer, Einweg-Geschirr verwender, Hygiene-Fanatiker, im-der-Ufschötti rumhänger, Wanderer, Berggänger, Skifahrer, im-Fluss-Bader, Hausfrauen, BBQ-Liebhaber, Himalaya-Besteiger, Obdachlose, Punks, Hooligans, Fussball-Fans, Marathon-Läufer, Flyer-Verteiler,
Meinungsforscher und do-it-yourself-Haus-Renovierer: entsorgt bitte euren Abfall sachgrecht, bringt ihn in den Ökihof resp. nehmt in nach Hause oder tragt in die paar Meter weiter bis zum nächsten öffentlichen Abfallkübel.
Wir haben eine Infrastruktur, die es uns erlaubt, Abfall fachgerecht zu entsorgen. Diese sollten wir auch nutzen.

Im dem Sinne, save the planet.
Adi

PS: Ab und zu nehmen wir beim Einkaufen aber auch gerne ein Plastiksäckli mit.
Diese fungieren dann beim campen als Abfalleimer für uns, welche wir dann anderntags jeweils in einen Container oder öffentlichen Abfallkübel entsorgen.

Abfall am Strand von Ko Lanta - Thailand

Abfall am Strand von Ko Lanta – Thailand

Kambodscha – Thailand

Kambodscha

Das allererste auffallende Merkmal sind die vielen Pyjamas. Jawohl, Pyjamas. Mit bunten Comicmotiven in – wie halt Pyjamas so sind – formlosen Schnitten. Und der massiv schlechtere Strassen- /oder Schlammpisten- Zustand ist auch schwer zu übersehen. Da wird die Karre mal ordentlich eingedreckt, wie es sich gehört… Aber mal von vorn, es gibt viel zu erzählen.

Krathie und Whitening Cream

Krathie ist unserer Ansicht nach nicht sehenswert, ausgenommen vielleicht die öffentliche Zumba-Session, vom roten Kreuz organisiert, die da Abends an der Uferpromenade des Mekong zum mithopsen animiert. Erstaunt stellen wir dann auch fest, dass hier der Geldautomat Dollar ausspuckt. Die eigene Währung, der Riel, wird nur als Wechselgeld in kleineren Beträgen benutzt.
Krathie besuchen wir eigentlich nur, um unseren spanischen Freund Francis aus Sevilla zu verabschieden und mit ihm und einem surfsüchtigen Amerikaner einen gemütlichen letzten Abend zu verbringen. Francis haben wir in der legendären Nacht im „TheHubPub“ an der Grenze zu Laos kennengelernt und zufällig wieder getroffen. Geschlafen wird in Krathie, wie in letzter Zeit öfters, in einer buddhistischen Tempelanlage. Da werden wir von den orange eingewickelten Mönchen immer herzlich willkommen geheissen und dürfen wenn nötig die sanitären Anlagen mitbenutzen. Respektvolles Auftreten vorausgesetzt natürlich. Notiz am Rande: die moderne Welt hat auch dort Einzug gehalten, denn die jungen Teenie-Mönche sind Abends munter tippend mit ihren Smartphones anzutreffen. 🙂
Unser Weg in die Hauptstadt Kambodschas nimmt der schlechten Strassen wegen viel Zeit in Anspruch. Der schmierige Dreck spritzt nach allen Seiten und überzieht die Carrosserie nach und nach mit einer dicken Schicht, die auch dem Regen standhält. Im trockenen Cockpit gibts derweil den einen oder anderen Gedanken über die Unterschiede der Wertvorstellungen zwischen Zuhause und hier. Was immer wieder zu denken gibt, sind die von Chemie geschändeten Gesichter. Seit langem begegnen wir ständig dem gleichen Bild. Herr sowie Frau India, Malay, Thai, Lao oder Kambodscha schmiert sich nämlich gern etwas zur Hautaufbleichung auf den Körper. Das Resultat sind graue, ungesund wirkende und total künstliche Gesichter, anstatt der wunderschönen Milchkaffeehaut. Geschätzte 25% der Menschen in besagten Ländern sind tatsächlich der Meinung, das es so wichtig ist, helle Haut zu haben, dass sie dieses Zeug – sowas muss doch giftig sein – nicht nur sich selber, sondern bereits ihren Kindern anschmieren. Produkte mit Namen wie „Bright Baby“ finden sich in den Supermarktregalen und sogar Deos werben mit „extra white“. Für uns unverständlich. Doch da zwingt sich ein Vergleich mit unserer ganzen Makeupgeschichte und den heimischen Solarien auf… Ein wunderbares Beispiel der alten Leier: „Und was er hat, das will er nicht…“. Wir finden es schade, wahrscheinlich genauso wie umgekehrt auch, wenn sich unsereins das Näschen einige Töne dunkler pudert.
Was in punkto Mode überrascht sind dagegen die kambodschanischen Pyjamafrauen. Das so ein Pyjama ganz bequem ist wissen wir ja schon, aber dass man sich damit durchaus auch auf der Strasse zeigen kann, ist wohl Zuhause (leider) noch nicht zum Trend geworden. Dabei machts das Strassenbild doch so viel fröhlicher, wenn da auf den bunt bedruckten Stoffen mal ein Disneyfigürchen lacht oder ein lustiges Tiermotiv prangt! Wir überlegen noch, ob wir dem Trend ab sofort folgen werden ;).

Phnom Penh und Korruption

RoKi braucht dringend einen Service. 16’000 km sin es seit dem letzten in Trabzon, also allerhöchste Zeit. Von Krathie gehts Richtung Hauptstadt, wo eine professionelle LandRovergarage sich dem Guten annehmen wird. Soviel Luxus gönnen wir ihm.
Die Garage ist wie neu, hat Mitarbeiter mit Know-how und beim kurzen Check dürfen wir in der Werkstatt bleiben und werden nicht wie sonst üblich in die klimatisierte Bürozone für die Krawattenträger bugsiert. Wir sind also zufrieden. Als dann Adam auf uns zukommt wirds noch besser: „I guess you aaarre the gääys with this rrrred Defenderrr!“ Ein starker polnischer Akzent aus dem Munde eines noch stärkeren, sympatisch dynamischen Herrn schallt uns entgegen. Adam und seine Frau Anna leben seit frischen 6 Wochen in Kambodscha, wo er für LandRover und sie für Ford, nur einen Katzensprung entfernt, arbeitet. Wir lassen uns von ihm bei der Hotelsuche helfen und verabreden uns für ein abendliches Bier. Das Leben in diesem Land empfinden die beiden als angenehm komfortabel und zeitweise auch sehr amüsant. Adam hat schon in diversen europäischen Ländern für LandRover gearbeitet und beeindruckend vieles an Erfahrung und technischem Know-how gesammelt. Er und seine Angebetete geben einige Geschichten über den Alltag mit ihren Arbeitskollegen zum Besten und wir unterhalten uns grossartig. Dass ein Kunde mit der Flasche Bremsflüssigkeit in der Hand statt in den Bremsleitungen die Werkstatt verlassen soll, ist aus dem Mund der quirligen Anna, mit noch stärkerem Akzent, eine der lustigsten Anekdoten aus deren Erlebnissen (Bei der Ford-Werkstatt passiert, sei hier dezent angemerkt).
Wir nutzen die Gelegenheit und fragen den beiden Löcher in den Bauch. Die Frage, woher denn in diesem Land das Geld für die ganzen neuen Geländewagen kommt, beschäftigt uns schon länger. Denn hier scheint die Schere von Reichtum und Armut noch heftiger auseinander zu klaffen als in Laos. Wo die eine, sagen wir mittelständische Familie, sich den Lebensunterhalt mit Autowaschen verdient und für eine halbe Stunde Schwerstarbeit zweier Personen mickrige 2USD verlangt, braust der andere im neuen Bentley oder einem Lexus SUV vorüber. Laut Adam sind die, die es sich eben leisten können, total versessen auf Luxusgüter. Was neues, teures verkaufen? In Kambodscha ist der Markt dafür! Und warum geht das ausgerechnet in einem Land, das bei uns in der Schweiz vorallem wegen Beat Richners Kinderspitälern bekannt wurde? Korruption ist die Antwort. Oder wie Adam es formuliert „I don’t ask“. Er fragt die Polizisten und Regierungsangestellten – die die Mehrheit seiner Kundschaft ausmachen – besser nicht, woher denn die Kohle kommt. Übrigens reicht sie nicht nur für den eigenen Wagen, sondern meist dem Vater auch gleich noch für einen. Gezahlt wird in USD und zwar cash! Viel Arbeit also für unsere neuen Freunde, denn so wird statt in die Strassen halt in Autoreparaturen investiert.
Die beiden humorvollen aus Polen bescheren uns einen hochspannenden und hinreissend lustigen Abend in der Hauptstadt.
Während sich RoKi anderntags auf den Lift begibt, verbringen wir den Tag ohne ihn in der Millionenstadt. Ein Ziel ist das ehemalige Foltergefängnis S-21 der roten Khmer. Was dort geschah, kann und soll hier nicht in ein paar kurzen Worten abgetan werden. Wer also etwas über die Geschichte dieses Landes lernen will, soll sich doch hier einlesen: Rote Khmer. Nichts für zart besaitete.
Abends sind alle Servicearbeiten erledigt und wir holen das Auto wieder ab. Weiter gehts über Schlammpisten-Highways nach Siem Reap, wo die Tempel von Angkor stehen.

Angkor Wat

Die Tempel von Angkor nehmen wir uns an einem unerwartet regnerischen Tag vor.
Doch trotzdem stehen wir früh auf und rollen mit RoKi ins Gelände. Das loht sich! Es sind gegen 7.30 Uhr erst ein paar wenige Touristen anzutreffen beim Ta Prohm aka „Tomb Raider‘-Tempel. Genau wie Angelina Jolie mit ihrem Defender kurven wir den ganzen Tag zusammen mit tausenden von Rikschaws und Reisebussen zwischen den fantastischen Tempelgebäuden umher, erkunden die moosbewachsenen, reich verzierten Mauern zu Fuss und landen schliesslich beim Herzstück, Angkor Wat. Zusammen mit tausenden von Touristen aus aller Welt. Was dort an Kunst die Wände ziert ist so unvorstellbar aufwändig und fein, sowas haben wir noch nie – nicht mal im Taj Mahal – gesehen. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Hier lassen wir gern die Bilder sprechen. Das Gewusel macht dann aber doch ziemlich schnell müde und so beschliessen wir uns bereits wieder Richtung thailändische Grenze aufzumachen.

Zurück in Thailand, Isaan

Es fühlt sich gut an, für einmal in ein Land einzureisen, von dem die vertraute Papierkarte bereits einige Knitter hat, die Währungsumrechnung im Kopf gespeichert ist und die wichtigsten Begriffe wie „Grüezi“ oder „Danke“ in der Landessprache schon zu unserem Wortschatz gehören. Was von uns beim letzten Besuch ausgelassen wurde, ist die Isaan Region im Nordosten Thailands. Das holen wir jetzt nach.
Die Strassen sind auch hier wie im ganzen Land top und wir merken erst keinen Unterschied, dass das hier die ärmste Region Thailands sein soll. Beim Mittagessen dann, fällt es erstmals auf – der grosse Nudelteller mit Gemüse und Poulet kostet 1 CHF. Wohlgemerkt, wir sind es gewohnt, ein thailändisches Mittagessen zwischen 2-5 CHF p.P. zu bekommen. Der Isaan ist schön idyllisch, wie er sich sonnig und mit seinen Reisfeldern vor uns ausbreitet. Die Leute hier sind freundlich und es gibt weniger Touristen, was man am Umgang der Locals merkt. Die freuen sich nämlich viel mehr, wenn wir bei ihnen am Gemüsestand einkaufen, als noch in den südlicheren Regionen. Landschaftlich könnte das hier aber genau so gut der Süden von Laos sein.
Der „Haushalt“ muss auch bei uns hin und wieder in Ordnung gebracht werden und so legen wir einen Tag ein, wo wir uns ums waschen, putzen, aufräumen, reparieren und ausmisten unserer 4qm kümmern. Frisch rausgeputzt fährt es sich angenehm Richtung südwesten mit einem Abstecher zum Tat Ton Nationalpark. Ein Wasserfall hat dort einen Felsen derart abgeschliffen, dass er viele tolle Gletschermühlenartige Mulden und einen einzigartigen Wasserverlauf erhalten hat. Die Pools, gefüllt mit kühlem Flusswasser laden zum Spa ein und die glitschige Oberfläche des Felsens wird, teils zum Spass und teils auch unfreiwillig, als Rutschbahn genutzt. Unsere Allerwertesten verschonen wir aber – nach ein paar schmerzhaften kleinen Tests – von diesem Abenteuer :).

Nationalparks und Blutegel

Bevor wir uns wieder ans Meer begeben, wollen wir die Wälder nochmals sehen. Einer der besuchten Parks ist Khao Yai, etwas höher um 1000m.ü.M. gelegen und somit herrlich kühl. Es gibt, wie in allen Nationalparks hier in Thailand, Plätze für Camper mit Feuerstellen und WCs, also ideal für uns (kostet ca. 14.-)!
Nach einem kurzen Spaziergang werden wir aber dann schon stutzig, als bereits 5 Blutegel an der Wade saugen! Egelig!
Für die nächste Wanderung rüsten wir uns so gut es geht aus, stülpen die Socken über die Hosen und machen uns gefasst auf die Invasion. Eigentlich sind wir ja wegen den etwas grösseren Tieren hier. Die Wanderung beginnt, wir werden nicht enttäuscht und bekommen mitten auf einem Feldweg einen wilden Elefanten zu sehen! Der Einzelgänger mit seinen zwei  grossen Stosszähnen steht einen Moment lang genauso stockstill da wie wir, als wir uns begegnen. Bis die Kamera dann hervorgeholt ist, hat er sich bereits auf den Rückweg gemacht. Tja, machs gut, Chang! Weiter entdecken wir im Morgengrauen ein Stacheltier, das über den Weg wackelt, sowie unzählige riesige Rehe und Hirsche. Der Dschungel beherbergt aber auch noch viele andere Tiere, wie beispielsweise die singenden Gibbon-Affen oder Wildkatzen. Erstere sorgen am Morgen für einen Heidenlärm, wenn sie in ihr Konzert einstimmen und holen uns zuverlässig aus den Federn.
Eines Abends als sich Adi an die Arbeit macht, uns ein gemütliches Feuer zu entfachen, passiert ihm ein Missgeschick. Der Gertel ist scharf, das Holz glitschig und so kommts, dass der Daumen blutet, ziemlich stark sogar. Autsch. Zum Glück ist unsere Apotheke erstklassig sortiert und Janine leistet erste Hilfe – weh tuts trotzdem.

Backpackers Paradies Südthailand

Langsam machen wir uns nun auf Richtung Süden, wir wollen ja Mitte November unseren RoKi in Kuala Lumpur wieder verschiffen. Nach kurzen Zwischenstopps in Phetchaburi und Chumphon landen wieder in der Region mit den klassischen Ferienorten für uns Europäer. Die Touristenattraktionen im Süden sind nun, 6 Wochen nach unserem ersten Besuch hier, ziemlich überlaufen. Tausende Touristen in Badeklamotten auf Motorrollern prägen das Bild in den Orten Khao Lak und Ko Lanta und eine Bar drängt sich an die nächste in den langgezogenen Dorfstrassen. Sextourismus, teurere Preise in den Restaurants und Strände voll mit Abfall trüben unser lieb gewonnenes Thailandbild. Schade. Obendrein will Adis Daumen einfach nicht abschwellen. Ein Vorteil hier sind aber die gut eingerichteten Arztpraxen an jeder Ecke. Da wird Adi dann nach kurzer Daumeninspektion sogleich unters Messer gelegt, die Wunde nochmals aufgeschlitzt (zur Infektionskontrolle) und mit 3 tiefen Nadelstichen sauber zugenäht. Der Arme muss ganz schön fest auf die Zähne beissen.
Eben, unser Thailand… Es zeigt nun sein abgenutztes, touristisch überbelastetes Gesicht, das wir in den nördlichen Regionen weniger gesehen haben. Was zudem auffällt sind die Tsunami-Warnschilder, die Fluchtrichtung und Distanz angeben. Der Tsunami-Katastrophe widmen wir einen Vormittag im hierfür errichteten Museum in Khao Lak. Ein erschütterndes vor Augenhalten der Tragödie – bereits 10 Jahre ist es her.
Gut an Orten, wo es viele Backpacker gibt, ist ja auch, dass man mal ein paar Leute zum Austausch findet. Und prompt laufen wir einem Paar aus Zug über den Weg, treffen einen Luzerner Geschäftsmann („Geds jo gar ned! vo Lozärn do häre gfahre?“) und unterhalten uns prächtig.
Ein weiterer wundervoller Zufall ist die Flipflopgeschichte am Strand von Khao Lak. Beim ersten Besuch hier gingen Janines Flipflops und Adis Trekkingsandalen nämlich dummerweise verloren. (Wir waren selber schuld, merke: Nie wieder was aufs Rad legen, es geht garantiert vergessen) Nach langem Gezeter haben wir uns dann auch damit abgefunden, dass die Schuhe passé sind. Aber! Als wir wieder unser Plätzchen am Strand aufsuchen – nach 6 Wochen wohlgemerkt – liegen die Flipflops tatsächlich unversehrt und unübersehbar im Sand! Freudentanz! Adis Sandalen haben dann wohl einen neuen Besitzer gefunden, die sind nämlich unauffindbar, leider.
Weil das Glück auf unserer Seite zu sein scheint, versuchen wir uns erneut in der Kunst des Angelns. Danke für deine tollen Tipps, Adrian Burger, wir haben zwar immer noch nichts gefangen, sind aber umso motivierter. 🙂 Vielleicht liegt’s heute auch daran, dass uns ein Sturm die Pläne durchkreuzt. Wir bleiben dran.

Kuala Lumpur Malaysia, das nächste Ziel, wird unsere Putzbasis sein. Dort wird RoKi australientauglich von jedem Käferchen, Dreckchen und Keimchen befreit, bevor er nach Melbourne schippert und wir buchen unseren Flug nach Bali. Dort wollen wir die Zeit, die RoKi auf See verbringt, mit Adis Eltern herumreisen und dürfen für einmal die Planung von 10 Tagen ganz in deren Hände geben. Unsere Vorfreude ist riesig, euch endlich zu sehen!!
Bis dahin geben wir uns Mühe, von Skorpionattacken (siehe Bild) und weiteren Unfällen verschont zu bleiben.
Euch wünschen wir wunderbar gemütliche, erste Raclette-Abende und allen Fasnächtlern viel Freude mit den Vorbereitungen für die rüüdige Zeit!

Allerbeste Reisegrüsse aus Ko Lanta,
J&A

Laos

Von leckeren Wespenlarven zum Apéro, Kayakkonflikten und der schlimmsten Schlaglochpiste Südostasiens.

Der Strassenrand der gewundenen Wege über die nordlaotischen Hügel ist gesäumt von Bambushütten, gedeckt mit einfachen Dächern aus Palmblättern. Idyllisch sieht das aus – vorallem wenn dann noch die Kinder mit ihrem breiten Lachen davor herumhüpfen und uns fröhlich zuwinken. Überhaupt gibt es hier anscheinend nur fröhliche Kinder. Und anscheinend auch keine Prostituierten. Aber mal der Reihe nach…

Huay Xai
Über die neue Freundschaftsbrücke nähe Chong Khang verlassen wir Thailand und gelangen in das „vergessene“ der südostasiatischen Länder – Laos. Das Grenzprozedere nimmt ca. 3h in Anspruch und nicht alle Gebühren sind für uns ganz nachvollziehbar. Die Abzocker sind die Thais. Auf unsere Frage, warum denn die 200 Baht (ca. 6 CHF) für die Ausreise noch bezahlt werden müssen, wird uns unmissverständlich und mit einem steinernen Lächeln im Beamtengesicht gedroht, dass diese Gebühren auch auf 8000 Baht (ca. 250 CHF) erhöht werden können. Da geben wir lieber mal klein bei…. Zur Aufheiterung haben wir heute unsere ganz private Unterhaltungsmaschine Peter aus Australien dabei im RoKi, der sich einen Spass daraus macht, selbst im Niemandsland mit Ukulele, Schnörregiige und Stoffnastüechlimaus die Leute um sich herum zum Lachen zu bringen. Peter haben wir im Hub Pub aufgegabelt – einen solch liebenswürdigen Traveller nehmen wir doch gerne ein Stückchen mit.
Die ersten Kilometer fallen uns bereits einige Veränderungen auf. Zuerst gibts einen Seitenwechsel – wir sind jetzt glücklicherweise wieder im Rechtsverkehr. Dann sind da die vielen vielen gelbgrünen Beerlao-Schilder, die alle gefühlten 5m für eine Beiz werben. (Beerlao=DAS Bier in Laos) Sowieso scheint es sich hier oft ums Bier zu drehen. Ganze Harassenmauern neben den Restaurants, grosse Werbetafeln und hie und da ein torkelnder Konsument am Strassenrand. Warum? Das werden wir dann in Luang Namtha noch erfahren. Ausserdem fallen auf: die extrem vielen, neuen Toyota Pickups. Das erstaunt uns doch sehr – wir dachten Laos sei viel ärmer dran. Dazu hat Adi dann aber noch ein paar Worte in einem seperaten Bericht verfasst.
Das die Laoten gegenüber ihren Nachbarn aber doch noch etwas bescheidener leben, sieht man an ihren Hütten. Es gibt hier ausserhalb der Städte nur noch selten ein Haus aus Stein und die kleinen, aus wenigen Holzstämmen und Bambusgeflecht gezimmerten Heimetli betten sich in die Reisfelder, ganz wie auf dem Postkartensujet. Peter sucht sich eine Unterkunft und wir kommen wieder mal mit ein paar RoKi-Symphatisanten ins plaudern, bevor wir ausserhalb der Stadt einen Schlafplatz im Grünen finden.

Luang Namtha
Dort soll Dschungeltrekking ganz toll sein – das wollen wir ausprobieren. Dahin führt die nagelneue Strasse, die die Chinesen gebaut haben – geradezu luxuriös.
Die Kleinstadt Luang Namtha wird von Backpackern gerne bereist, das merkt man meist an den vielen Unterkünften und den Menükarten, die westliches Essen anbieten (in einer normalen laotischen Beiz gibts nämlich gar keine Karten – man sieht ja was in der Küche rumsteht und den Rest kann man sich denken).
Wir buchen bei Forest Retreat Laos eine 2tägige Dschungeltour und freuen uns, als eine französisch-mexikanische Familie und ein deutsch-französisches Paar sich dazugesellen. Zu neunt mit dem redseligen Guide Chiang wagen wir uns ins dichte, geheimnisvolle Grün aus Bambus, Palmen und Lianen. Am ersten Tag wandern wir zu einem abgelegenen Dorf, wo seit Jahrhunderten noch ein Stamm der Akha Zuhause ist. Der 5stündige Weg führt über Bäche, an riesigen, Lianenumschlungenen Bäumen vorbei. Wenn ein Bewohner krank wird, transportieren ihn seine Dorfkollegen übrigens auf einer Bahre über dieses unwegsame Gelände. Also bitte keine Knöchel brechen. Alle kommen heil aus dem Dschungel wieder heraus und als Belohnung für die schweisstreibende Leistung dürfen wir dann auch noch eine Delikatesse vom Grill kosten – Wespenlarven. Dank Gruppenzwang und Mutprobeneuphorie kriegen wir das auch noch hin. Wäh. Abgesehen davon werden wir jedoch kulinarisch verwöhnt. Alles was dort in den gepflegten Gärten des Dorfes wächst, wird mit uns geteilt: gekochte Auberginen, saftiger Kürbis, Tomaten, Bohnen, gebratenes Schweinefleisch mit Zwiebeln und natürlich Chilli, soviel das Herz begehrt. Alles immer lecker mit den Fingern gegessen und dazu eine grosse Portion Sticky Rice, authentisch im Bananenblatt serviert. Grandios!
Unser Gästehaus ist ein auf Stelzen stehendes Holzgebäude mit Veranda, das 8 Schlafplätze unter bunten Moskitonetzen birgt – urgemütlich!
Gut geschlafen haben wir auch, denn so wenig Zivilisation hatten wir schon lange nicht mehr um uns herum und so schlägt nach dem Abendessen und dem obligaten Beerlao eine herrliche Müdigkeit zu und haut uns in die Federn. Korrigiere; auf den Holzboden mit Stoffmatte ;).
Tag 2 ist dann Kayaktag. Den ganzen Weg zurück paddeln wir auf dem Namha River, der zurzeit beachtliche Strömung aufweist, durch Vogelgezwitscher und imposante hängende Pflanzenwelten. Das Wasser ist braun und kühl und die Sonne sorgt für mächtig Durst.
Falls irgendwer mal einen Teambildungsevent plant, das würde sich anbieten… 😉 Da geht es um Machtkämpfe, Vertrauen und Kommunikation. Bis zum Schluss sind wir dann doch ein ganz akzeptables Team – benötigen jedoch volle 5 Stunden Training :).
Zum Abschied erklärt uns Chiang dann noch, wir hätten Glück, denn gerade in dieser Zeit werde das Ende des Monsuns gefeiert und die Laoten brechen damit ihre Fastenzeit. Deshalb sei in den letzten Tagen ziemlich viel Bier und Reis-Schnaps vernichtet worden. Ach so, darum! Wir machen mit bei der laotischen Feierlaune und gehen als Krönung unserer Tour alle gemeinsam in die Dorfdisco. Das gibt es da tatsächlich :).
Im Gegensatz zu Thailand oder später auch in Kambodscha gibts in dem Lokal aber keine aufgedonnerten Girls, welche sich an die westliche Touristenschaft schmeisst und so Geld für ein kurzes Abenteuer ergattern will. Prostitution ist hier nämlich weder erlaubt noch geduldet und für Ausländer bestehen harte Strafen, wenn sie sich unverheiratet mit einer laotischen Frau einlassen. Wie die Situation in der Hauptstadt aussieht, wissen wir nicht, aber „auf dem Land“ sind wir keinen Prostituierten begegnet.

Nong Khiao, Nung Kiau, Nong Kiew oder Neon Cow
Die 228km dahin treten wir dann etwas später als üblich an. Das ist ein Fehler, denn die kurze Distanz hat es so richtig in sich. Die Landschaft um das Strässchen in den Bergen ist zwar sattgrün und attraktiv, die Strasse selbst jedoch eine Katastrophe. Keine 50 Meter kommen wir vorwärts ohne Schlagloch, Holperschotterpiste oder ausgewaschene Sandpassage. Fahrtechnisch eine herausfordernde Sache, die dann 7 Stunden unserer vollen Konzentration in Anspruch nimmt. Als es schon dunkel wird, erreichen wir hundemüde unser Ziel. Es wird hier übrigens recht früh dunkel, so gegen halb Sieben ists dann Zack – Nacht.
Das Dorf ist wieder recht beliebt bei den Backpackern und so gibts unzählige Guesthouses. Eines bietet sich uns dann mit seinem ebenen Vorplatz im dunkeln gleich an. Für 3.- dürfen wir sanitäre Anlagen und WiFi mitbenutzen. Unsere Overlander-Kollegen aus Russland, Boris und Kira, sind zufälligerweise auch hier. An der Grenze zu Laos sind wir ihnen das erste Mal begegnet, haben über den 250ccm EnduroTöff gestaunt und über ihre Reiseerlebnisse umso mehr (über ein Jahr in Indien ge-/überlebt). Von denen können wir noch was lernen! Gemeinsam mit den beiden gewieften Travellern verbringen wir einen schönen Abend.
Es hat sich gelohnt, den beschwerlichen Weg auf uns zu nehmen. Am Morgen dann enthüllt das Tageslicht die volle Schönheit der Umgebung: Die grün überwucherten Kalksteinformationen, wir kennen es von Krabi, türmen sich diesmal direkt vor uns auf und verzaubern die Landschaft in ein magisches Zusammenspiel aus Fluss, Berg und Dschungel. Mit einem krüppligen Mietvelo lässt sich Nung Kiau herrlich gut erkundschaften und wir radeln zum Barbier, einmal um das Dorf herum und schliesslich zu einer 3km entfernten Höhle. Dort empfängt uns die im nahe gelegenen Bach herumtollende Kinderschar mit wildem Geschrei. „Falang, Falang!“. Wir lassen uns von den aufgeregten Kids die Höhle, die als Kriegsversteck für die Vietcong diente, zeigen und hüpfen danach gemeinsam mit ihnen ins kühle Nass. Was für ein Gaudi!
Die Spuren der anderen Seite des Konflikts sind übrigens auch noch stark spürbar – auf einer Wanderung ist abkommen vom Pfad strengstens verboten denn es liegen noch immer Bomben der Amerikaner in der Landschaft.

Luang Prabang
Zum Glück sind dann die 300 km weiter südlich etwas besser, was die Qualität des „Highways“ anbelangt.
Die Landschaft wird immer flacher. Neben den omnipräsenten Beerlaoschildern gibts an den Strassen nun Melonenstände, an der Sonne trocknende Chillis und Bambusstreifen, sowie Reisfelder, die sich der Ernte neigen.
Das Kolonialstädtchen Luang Prabang strotzt nur so von französischem Einfluss mit seinen frisch gefüllten Baguettes, Croissants und den Gebäuden dieser Zeit (1887-1954).
Der Nachtmarkt ist ganz besonders eindrucksvoll. Wir schlendern zwischen typischen Souvenirs wie Tee oder Stick- und Webhandarbeiten, Silberschmuck und den leuchtenden Farben der Papierlaternen in der nicht enden wollenden Strasse. Das Buffet, wo man sich für 1.50 CHF einen Teller nach Herzenslust füllen kann, wird unser absoluter Futterfavorit.
Wie das so ist, kreuzen sich die Wege der Traveller an den beliebten Punkten immer wieder und so treffen wir anderntags auf Julie und Georges von unserem Dschungelcamp-Trüppchen. Ein schöner Aufsteller, nachdem ein Platten am Morgen unsere Stimmung etwas gedrückt hatte. Siehe Fotos vom fiesen Nagel!
Der Wasserfall etwas südlich der Stadt wird wild angepriesen und darum von uns zum Nachtquartier erkoren. Wir haben entdeckt, das solche Touristenparkplätze nach Torschluss zur Attraktion oft ganz ruhig, verlassen und gut für uns eingerichtet sind. Ausserdem werden im Restaurant den letzten Kunden die Schüsseln extra gefüllt, damit die Resten auch schön wegkommen. Ein weiterer Vorteil ist natürlich auch, das kurz vor Schluss nicht mehr ganz so viele fotogeile Hütchenchinesen vor Ort sind :).

Genug der Städte
Auf den Strassen Richtung Süden wird es wieder heisser. Der Wasserkonsum steigt und mit ihm die Stimmung.
Unterwegs lassen wir kurz vor Vientiane noch den Schaden der Schlaglöcher an RoKis Stossdämpfer beheben, eine Gummibuchse hat „ausgedämpft“. Der Inhaber der Offroad-Garage (ja, auch das gibt es hier) will für die Reparatur nicht mal was. Sehr erfreulich :).
Danach rollen wir entspannt gemeinsam mit knatterndem Einachserverkehr, unzähligen Schulkindern auf ihren Velos und mächtigen Wasserbüffeln entlang des Mekong.
Die Reisernte beschäftigt derzeit die laotischen Bauern und wir sehen ständig die kegelförmigen Bambushütchen auf den Feldern lugen. Alles hilft mit beim ernten, trocknen und dreschen – ein wunderschönes Bild.
Beim täglichen suchen des Schlafplatzes sind wir meist schnell erfolgreich und bei der Erkundigung ob das so okay ist, lachen die Laoten uns zu, nicken und sind nach einem kurzen neugierigen Blick ins Auto dann auch wieder verschwunden. Allgemein sind uns die Leute hier sympathisch, eine verschmitzte Coolness steht in den herzförmigen Gesichtern und nur ganz selten will mal jemand mit einem kleinen Trick den ein oder anderen Franken mehr mit seinem Geschäft ergaunern. Mittlerweile sind wir aber auch ganz schön auf Zack und schwer an der Nase herumzuführen. Schliesslich haben uns die letzten 6 Monate auch was gelehrt. Ein anderes Beispiel, in dem wir schon ganz tolle Erfolge vorweisen können, ist das „shower in public“ 😉 in Parks, hinter Tankstellen, neben Klostern und anderen möglichen und unmöglichen Orten sind wir Meister der verhüllten Körperhygiene geworden und verstehen es nun geschickt, den schmalen Grat zwischen Anstand und Sauberkeit zu gehen. Mit ein bisschen Training konnten wir den Dusch-Wasserverbrauch so auf 1.5l Wasser p.P. Inkl. Haarwäsche senken. Nur falls euch das interessieren sollte ;).
Was das Essen betrifft, lohnt es sich bei den Preisen hier kaum, die eigenen Pfannen schmutzig zu machen. Die Laoten kochen vorzüglich, freuen sich wenn wir auf ihren Plastikstühlen Platz nehmen und mit etwas Kreativität vermitteln wir ihnen, dass die am Nebentisch servierte Nudelsuppe oder die in der Küche stehenden Eier uns glücklich machen würden. Als ganz praktisches Hilfsmittel erweist sich auch das Zeigewörterbuch (danke, Freunde!), welches übrigens immer viel Gelächter grosses Interesse bei dem Locals auslöst.

4000 Islands
Die letzten Tage in Laos gönnen wir uns wieder etwas Inselleben und verschiffen RoKi auf eine der, eben 4000, Inseln: Don Kong. Eine amüsante Überfahrt, die ca. 5min. dauert auf einem zusammengeflickten Kahn, der aussieht wie etwas zwischen Hausboot, Fischkutter und Rosthaufen. Die 3 Stutz sind das Schauspiel sowie den Adrenalinkick – ob wir wirklich nicht untergehen- wert ;).
Dort angekommen gibts eine weitere herausfordernde Strasse aber sonst, neben ein paar Wasserbüffeln und abermals fröhlichen Winkkindern, nichts zu entdecken. Weiter gehts ohne RoKi auf die kleineren Nachbarinseln Don Det und Don Kon, wo wir mit dem Mietvelo über Sandpisten und kriminelle Holzbrüggli holpern, viele bekannte Reisefreunde wieder sehen und bei einem Bier unsere Geschichten austauschen. Mit Blick auf den Mekong und bei einem wunderbaren Sonnenuntergang. So lässt es sich leben.
Eine lustige Tatsache übrigens, was die Franzosen hier damals zur Kolonialzeit angestellt haben… Eine Eisenbahnbrücke verbindet die beiden kleinen Inseln, was doch erstaunt, wo man sie in weniger als einer Stunde umrunden kann. Wieso wird dann an der Südspitze klar: Dort haben sie früher die Schiffe vom Wasser auf die Schienen verlegt und so den Handelsweg bis nach China gesichert, ohne die Wasserfälle links und rechts der Inseln überwinden zu müssen. Clever! Ansonsten erinnert nichts mehr an die Kolonialzeit dort, ausser vielleicht, dass viel Weissbrot gegessen wird und das übrig gebliebene Bahntrasse.
Die Inseln sind grün bewachsen mit lehmigem Strand, die braune Brühe des mächtigen Mekong reizt zwar auf den ersten Blick nicht sehr für ein Bad. Trotzdem kühlen wir uns gerne ab und geniessen ein paar Tage in der Hängematte zum Abschluss im fantastisch schönen Laos. Das gibts hier schon ab 5 CHF – ein Bungalow mit Bad, Terrasse und Hängematte.

Fazit
Laos können wir also als durchwegs positiv verbuchen. Wir sind froh, dem südostasiatischen Raum durch unsere anfängliche Abkürzung direkt von Indien nach Malaysia mehr Zeit eingeräumt zu haben. Ansonsten hätten wir dieses bodenständige, zufriedene und unkomplizierte Volk nicht kennengelernt.
Und hätten – oh Schande – nie Wespenlarven probiert ;).
Im nächsten Bericht erzählen wir euch dann was über das Nachbarland – Kambodscha,
wo RoKi seinen Rundumservice kriegt und wir der Korruption auf die Spur kommen.

Dass es bei euch Zuhause nun langsam kälter wird, kommt uns schräg vor…
Wir beneiden euch fast ein bisschen um die schweissfreien Tage, denn so einen hatten wir seit langem nicht mehr ;).
Vorallem aber geniessen wir es nach wie vor, unterwegs zu sein, euch von abenteuerlichen Erlebnissen berichten zu können und dass ihr uns dabei virtuell so treu begleitet.
Das macht uns in den Heimwehmomenten viel Freude.

Von weiter Ferne (9562km Luftlinie) und mit den allerbesten Grüssen
J&A

Thailand – zum Zweiten

Thailand – die „Thailights“

Wie Adi vom Affen gebissen wird, wie wir mit Familie Duss Thairock entdecken und vom Opiumrausch. Und noch vieles mehr!

Erstmal vorweg -Thailand ist ein fantastisches Fleckchen auf unserer Kugel. Wir geniessen die neue Anonymität, denn hier scheint man sich den Anblick diverser Traveller, oder „farangs“ (Langnasen) gewohnt zu sein. Höfliche Zurückhaltung und angenehme Hilfsbereitschaft gehören genauso zu den Thais, wie die Orchideen, die hier wie Unkraut spriessen, die makellosen Strassen und das ständige Gekicher. Und natürlich das krähen des Hahns vom Morgen früh bis Abends spät. Schön!

Hua Hin
Wir sind ja auf dem Weg nach Norden und entdecken auf dem Weg ein cooles Städtchen namens Hua Hin. Der Künstlermarkt, der da jedes Wochenende stattfindet, hat nun 2 neue Fans. Wir lassen uns von der Dolcevita-Atmosphäre mit Liveband, Strassenkunst und Handwerkermarkt einlullen und findens supertoll. Die Stadt hat ausserdem einen Fischmarkt mit viel urtümlichem Gewusel und allerlei amüsant-ekligem auf den Verkaufstresen zu bieten. Bei einem Tempel auf dem Stadthügel herrscht die regelrechte Affenplage. Jeder Glacéschleckende Tourist muss um seinen Stengel bangen, denn die Viecher kennen da gar nix! Die eine Affenlady will dann dem Adi sogar an die Wäsche (konkret an seine Hosentasche) und als der sich wehrt, fängt er sich gar einen kleinen Biss ein. Freche Dinger! Aber lustigerweise in, mehr oder weniger harmonischem, Einklang lebend mit den dortigen Mönchen.
Apropos harmonischer Einklang… In Hua Hin leben übrigens viele graumelierte Europäer auf der Suche nach dem zweiten (oder gar dem ersten) Frühling. Den finden sie auch und wir begegnen öfters dem einen oder anderen frisch verliebten, eher einseitig jungen, Päärchen :-).

Sukothai
Das „Mini-Angkor Wat“ erkunden wir auf dem Velo. Nach 5 Monaten ist es wunderbar, einen Drahtesel zu steuern und wir kurven den Park dreimal so oft wie nötig ab, einfach weils so herrlich ist. Die bunte Tourischar, der wir am späteren Vormittag begegnen, trägt zu unserer Unterhaltung bei, denn die Europäer trotten doch tatsächlich nur bis zum ersten Souvenirshop und lassen die eigentliche Sehenswürdigkeit – eine jahrtausendealte, mehrfach umgenutze Tempelruine – links liegen. Eine interessante Entwicklung ist das.
Im TR Guesthouse quartieren wir uns mal wieder eine Nacht im Hostel ein. Wir gönnen uns so einmal wöchentlich eine anständige Dusche, etwas Platz fürs Wäsche waschen und Aircondition. Bei um die 10CHF für ein schönes Zimmer liegt das ja schon drin :-).
Ausserdem wollen wir ja für „s’Dusse“ auch schön gepflegt daher kommen.

Chiang Mai – oh, süsses Wiedersehn!
Weil wir es nicht erwarten können, unsere Freunde endlich zu umarmen, fräsen wir zügig gen Norden und erreichen das golden Elephant Resort, nahe Chiang Mai schon ein paar Tage vor Planung. Und das ist die beste Entscheidung überhaupt :-).
Mit einem riesen Hallo und ein paar Freudentränen werden wir Willkommen geheissen und sofort herzlich im Dussschen Familienclan aufgenommen. Der erste Abend läuft natürlich sofort auf eine überschwänglich feierliche Bierlitrinkete hinaus und ehe wir uns versehen, geben wir all unsere Reisegeschichten zum besten, planschen dabei genüsslich im Pool und geben uns ganz dem Glück des Wiedersehens hin. (Die unvernünftigen Geschichten dieses Abends werden hier diskret ausgeklammert :-))
Wir verbringen volle 5 Tage an diesem Ort, der übrigens hingebungsvoll von Som, der fleissigen Multitalent-Thai in Schuss gehalten wird und unsere allerherzlichste Empfehlung verdient.
Hier ein kleines Highlight aus dieser unvergesslich schönen Woche:
Eine Disco mit Livemusik soll ganz in der Nähe sein, also machen wir uns alle aufgekratzt und munter auf den Weg, der Hauptstrasse entlang. Die Verkehrsteilnehmer sorgen sich um uns und gleich 2 Pickups halten um uns zu helfen. Nach anfänglichen Verständigungsproblemen werden wir, acht an der Zahl, kurzerhand auf die Pickupladefläche verfrachtet und brausen im lauen Abendwind Richtung Disco. Der Abendwind sorgt dann auch dafür, dass Olis Cap einen eleganten Abflug macht und auf dem Highway landet. Auf Nimmerwiedersehen. Denken wir! Da kommt beim nächsten Rotlicht tatsächlich ein Motorroller daher mit capschwenkendem Fahrer. This is Thailand!
Spätestens als in der Disco dann auch noch eine Thaiband ganz nach unserem Geschmack abrockt, geht dieser Abend in die Geschichte ein!
Neben Ausflügen zum Nachtmarkt, der Schirmfabrik und unzähligen Genussstunden im Pool, haben wir auch noch einen Kochkurs besucht und uns im Minigolf und Karaoke gemessen. Und das allerbeste – wir haben viel gelacht, geplappert und jede Sekunde mit euch genossen.
Danke, das war legendär!

Mae Salong
Etwas wehmütig sagen wir Montag Morgens Tschüss und folgen der Strasse nach Fang. Zur Unterstreichung der Stimmung fängt es auch noch an zu regnen und so beschliessen wir, gleich noch ein Stück anzuhängen, bis nach Mae Salong. Dort soll ein tolles Wandergebiet sein, sowie viel chinesischer Einfluss, durch den Flüchtingsstrom der Kuomintang Ende der 40erjahren. Am Nachmittag finden wir uns bereits in mystisch nebelverhüllten Hügeln auf über 1000 m.ü.M. Da gibts wieder Teeplantagen, die sich akkurat an die Berge aufreihen, Gemüsehändler, die sich an die Strasse stellen und ein paar Grad Celsius weniger gibts auch. Das ist sie nun, die Schweiz Thailands. Wir finden einen verlassenen Ort Namens Mae Salong Mountain Home und merken erfreut, dass erstens noch tiefe Nebensaison ist und man hier zweitens auf Camping eingestellt ist. Das passiert uns nun schon zum zweiten mal in Thailand – super.
Aunty Lao, eine schrullig süsse Lady, begrüsst uns mit ihrem Grüntee und befiehlt, uns wie Zuhause zu fühlen. Gerne doch. Mit uns freut sich Dogong, der riesige Labrador, der seinem Namen alle Ehre macht, und hält uns mit seinem Gesabber auf Trab. Dogong bedeute Drache – in der Tat ist da was dran, rein schon von den Dimensionen :-).
Anderntags schnüren wir die Wanderschuhe. Über 5h wandern wir durch die Bergdörfer mit Strohhäuschen, durch Teeplantagen, über Bäche und Feldwege. Und sogar an den unwegsamsten Stellen entdecken wir Spuren von Motorrädern im Sand und dem Matsch. Unglaublich, was die mit ihren kleinen Töffs alles hinkriegen.

Chiang Rai
In der Touristeninformation dort arbeitet ein begeisterter Typ, der uns mit seinen Tipps sehr hilft und uns vor lauter Freude über RoKi gleich noch eine Ananas schenkt.
Wir beschliessen den Lam Nam Kok Nationalpark anzusteuern. Die Region hat vieles zu entdecken für uns! So baden wir im heissen Schwefelwasser, bestaunen enorm laut rauschende Wasserfälle, schlafen unter elefantenohrengrossen Baumblättern und geniessen bei alldem das wunderbare Privileg, allein zu sein. Nebensaison sei Dank. Nur beim Elefantenpark treffen wir auf einige Chinesen, die sich von den freundlichen Dickhäutern herumtragen lassen und offroad im Busch treffen wir auf belustigt grinsende Locals.
Bei den Elefanten gefällts uns übrigens besonders gut. Wir dürfen sie mit Bananen und Zuckerrohr füttern, ihnen beim duschen zusehen und sind schon bald ganz vernarrt in die sympathischen Riesen. Ausserdem stellen wir freudig fest, das die Karen, die Bergvölker, die dort leben, ihre Elefanten sehr respekt- und liebevoll behandeln.
Nach einer kleinen Offroadlektion für Janine durch den Busch (was diese Töffli können, kann RoKi doch schon lang! :-)) landen wir in Doi Tung. Dort locken Sehenwürdigkeiten wie die „Inspiration Hall“ (nichts weiter als eine Ausstellung über den König von Thailand) und eine wunderbare Aussicht über die ganze Region. Ein tiptop Schlafplatz über dem Lichtermeer mit toller Aussichtsterrasse macht uns glücklich – aber nur für kurze Zeit.
Die Polizei kommt vorbei und gibt uns zu verstehen, dass wir ihnen folgen sollen für „more safety“. Also gut. Wir verfolgen den Blaulichtpickup, der die Bergstrasse hinauf kriecht und werden auf der Polizeistation zum Parkplatz eingewiesen. Hier gibts sogar Dusche und WC für uns. Am morgen stellen wir dann  fest, dass von hier die Aussicht ebenfalls nicht zu verachten ist und bedanken uns bei den freundlichen Polizisten, die übrigens ihr Interesse am RoKi nun nicht mehr verheimlichen und uns grinsend begrüssen.

Golden Triangle
Das Dreiländereck zwischen Thailand, Laos und Myanmar ist zwar ein deutlich beliebteres Touristenziel, jedoch wie die gesamte Region um diese Zeit keineswegs überfüllt und wir sind neben ein paar dutzend Chinesen die einzigen, die sich da herumtreiben.
Die Chinesen haben gerade Feiertag und nutzen dies, um in SUV-Konvois nach Thailand zu fahren. Da reiht sich ein fetter Audi oder Mercedes mit blauem Nummernschild an den nächsten…
Weil diese Region dort berühmt für seine Opiumproduktion war, schauen wir uns eine Ausstellung an über Anbau, Herkunft und Folgen der ganzen Geschichte in der „Hall of Opium“. Zum Schluss darf man dann degustieren… Neiiin! Natürlich nicht 🙂
Wir schlendern lieber noch ein wenig am Mekong entlang und bewundern den grössten goldenen Buddha, der da fröhlich in den Himmel lächelt. Von denen gibt es im ganzen Land übrigens unzählige. Wie auch von den Tempeln, die allesamt wie eine offene Schatztruhe vor Gold und Glitzerkitsch nur so strahlen.
Für unsere vermeintlich letzte Nacht in Thailand gehen wir wieder -welch Luxus- in ein klimatisiertes Hotelzimmer. Leider ist von Genuss keine Rede, denn nach einiger Zeit wünschen wir uns innigst in unser gewohntes Bett… Bettwanzen sind der Grund.
Verfluchtes Ungeziefer!
Zimmerwechsel, erneute Dusche und beginnende Paranoia sind die Folgen. Das dritte Zimmer ist dann sauber. Und wir geschafft.

Chiang Khong
Ein Zufall will, dass das doch nicht die letzte Nacht gewesen sein sollte. In der Grenzstadt Chiang Khong entdecken wir auf der Karte eine Markierung „Bicycle Museum“. Das müssen wir sehen. Was dann kommt, entspricht alles andere als unserer Vorstellung…
Alan, ein Brite, der uns in Shorts und mit seiner Teetasse in der Hand begrüsst, freut sich dass jemand wegen der Velos kommt, und nicht nur wegen der Happyhour. Denn das Museum ist auch noch Bar, Café und nebenan sogar Guesthouse. Seit er 13 ist, sammelt Alan alles, was mit Velos zu tun hat. Einige seiner Lieblinge sind über 100 Jahre alt und es hat auch herrlich skurrile Stücke darunter. Alan vertieft seine Geschichte immer weiter und nach einer stündigen Privatführung wissen wir nicht nur viel mehr über Velos, sondern auch dass wir einen Ex-Fahrradprofi, Weltrekordhalter und herzlichen Idealisten vor uns haben.
Die Dinge nehmen ihren Lauf und der Abend in der Bar (The Hub Pub) entwickelt sich zu einem bunten, bierseligen Nationalitäten-Austausch zwischen der Schweiz, Belgien, Amerika, Thailand, England, Spanien und Australien. Mit einmaligen Geschichten aus dem Leben eines Velosüchtigen, eines Afghanistan-Soldaten und eines kinderlieben Ukulele-Spielers.
Wir schlafen im Garten und werden am morgen sogar noch (gut gegen Kater) mit englischem Frühstück verwöhnt.
Ihr seht, in Thailand ist ganz schön viel passiert :-).
Als nächstes gehts auf nach Laos!

Mittlerweile ist bereits Halbzeit auf unserer Reise. Wir glaubens selber kaum!
Wir vermissen euch nach wie vor und freuen uns immer über Nachrichten von Zuhause.
Es sind beispielsweise seit wir weg sind unglaubliche 6 Kinder unserer Freunde zur Welt gekommen! (Nein, keine Sechslinge, alle separat :-))
Hoffentlich gehts euch allen supergut, ihr habt einen goldig milden Herbst und übertrefft euch gegenseitig mit der tollsten Kürbissuppe!

Grüsse
J&A

 

Malaysia – Thailand

Von scharfen Fischsuppen, fiesen Dieben und Kapuzenpulliwetter

Malaysia (Teil 2)

Kuala Lumpur, KL

Braungebrannt, tiefenentspannt und RoKi-sehnsüchtig verlassen wir die Insel Tioman mit dem Ziel, unseren treuen Vierräder in Kuala Lumpur – kurz KL – zu empfangen.
Die Stadt überrascht uns mit ihrer extrem modernen und ziemlich irreführenden Strassengestaltung, verführt uns mit ihren unendlich vielfältigen Schlemmereien am Strassenrand und amüsiert uns mit einem lustigen Kulturenmix aus Indien, China und Thailand.
Nachdem die Details mit Care Container Lines in Klang geklärt sind, verschieben wir uns mit leichtem Gepäck in die Hauptstadt. Im „Birds Nest“ ist schnell eine Basis gefunden (ca. 20.- für klimatisiertes Doppelzimmer) von der aus wir die lebendige, muslimisch dominierte Metropole erkunden. Wir wagen uns mutig an kulinarisches Neuterrain in Chinatown und entdecken süsse, schlabbrige Früchte, sowie chinesische, indische oder thailandische Klassiker und pastellfarbene Desserts – zusammen mit 2 deutschen Backpackern – von denen gibts hier nämlich genausoviele wie von den exotischen Früchten.
Wir hätten es da schon noch ein wenig ausgehalten, doch einen Tag früher als erwartet, dürfen wir dann schon den Container „auspacken“ gehen! Die Freude ist gross, als sich die versiegelte Tür vor uns öffnet! Und diesmal ist auch fast nix kaputt gegangen. Einzig der Verschluss des Reservekanisters ist ein wenig verbogen und im Innenraum herrscht heilloses Durcheinander. Ein Glück, dass RoKi nicht seekrank geworden ist – auf hoher See muss es ihn ganz schön heftig durchgeschaukelt haben. Ach ja, und riechen tuts auch ganz interessant, wenn man so einen Container mal öffnet…
Uns kann es jetzt gar nicht schnell genug gehen, wieder „on the road“ zu sein und eilig machen wir uns ans Reifen pumpen und Gepäck einladen.
Die erste Nacht verbringen wir – sehr passend zu Malaysia – in einem Palmenwald. Die Monokulturen zur Palmölgewinnung finden sich hier überall und erstrecken sich teilweise über nicht enden wollende Felder. Leider eine nicht so tolle Geschichte.
Für uns ists aber schön im Gezirpe der Nachttiere unter den Palmblättern wieder draussen einzuschlafen.

Cameron Highlands, CH

Adi hat seine Gründe, die „Schweiz von Malaysia“ sehen zu wollen und das sind vor allem die schätzungsweise 7000 alten Landrover, die da in den Hügeln der malayischen Teeplantagen tapfer umherknattern. Ich hingegen habe gelesen, dass es da selten über 25 Grad werden soll – Dies allein genügt schon als Grund. Also: auf ins Hochland!
Was wir entdecken lässt uns tatsächlich stark an die schweizer Berge denken… Die Strassen sind verstopft, die Touristen stapeln sich in den Backpackerhostels und vor lauter Souvenirshops bleibt fast kein Trottoir mehr übrig. Trotzdem fühlen wir uns wohl. Ein Atemzug der frischen Bergluft mit einer Prise Tanne und etwas Nebel, eingepackt in den lange unbenutzten Kapuzenpulli, lässt unsere (heimwehgeplagten) Herzen höher schlagen.
Die lieben Leute vom „Hotel Arundina“ lassen uns kostenlos bei sich auf dem Parkplatz hausen und ihr WC / WiFi benutzen. Dort waschen, planen und köcheln wir und lernen nebenbei wieder einige ganz flotte Leute kennen (Richtig, aus Deutschland!).
Nach dem Wochenende lässt der Menschenandrang etwas nach und wir schnüren die Wanderschuhe. Eine Actionwanderung  ganz nach „Bear Grylls-Manier“durch den wilden Dschungel auf 2000 m.ü.M. hat es uns angetan und wir sind voll begeistert von der rauen Gegend.
Neben wandern, exzessivem Landy-fotografieren und gut schlafen in den kühlen Nächten, halten die Cameron Highlands noch weitere Glücksmomente für uns bereit. Wir campen in den wunderschön drapierten Hügeln, seufzen in den filmreifen Sonnenauf-/untergang zwischen den Teeplantagen, essen Erdbeeren und „Steamboat“ (quasi Fondue Chinoise, nur mit viel lustigeren fischigen Zutaten) und treffen sogar nochmal Mike, unseren kanadischen Freund. Cameron Highlands also – voll toll.
Und hier sei etwas noch besonders erwähnt: Nachts bis zur Nasenspitze in die Decke eingekuschelt, heisser Tee am nebligen Morgen, etwas kühler Wind im Gesicht und die Füsse den ganzen Tag in den dicken Wollsocken – ein unbezahlbar gutes Gefühl nach so vielen schwülheissen Tagen

Penang, Grrrrrrr

Die Insel Penang liegt an der Andamanenküste im Nordwesten Malaysias und wurde uns von vielen Seiten als Ausflugsziel empfohlen. Also rollen wir von den angenehmen Temperaturen in der Höhe wieder runter ans Meer und zu den sonnenhungrigen am Strand.
Zwei Brücken führen auf die Insel, von denen aus die Skyline von Georgetown den Eindruck einer regelrechten Grossstadt macht. Wir nehmen die südliche Brücke und umrunden die halbe Insel auf ihrer gewundenen Küstenstrasse, bevor wir in Batu Ferringhi einen Halt einlegen. Hier gibts schicke Ressorts, die sich an den Strand des zerzausten Meers aufreihen und allesamt Adrenalinkicks auf dem Jetski, beim Parasailing oder ähnlichem anbieten.
Wir treffen Pele („you know, like the famous football player!“) der uns einen Schlafplatz bei der Jetskigarage offeriert. Den Nachmittag verbringen wir mit Lesestoff unter dem Sonnenschirm, bis wir beim eindunkeln unsere Spaghetti neben dem Strandhüttchen schnabulieren. Die Betreiber des Wassersportgeschäfts sind alle indisch-stämmig und so werden wir noch ein bisschen mit klingeling-Musik beschallt, damit wir auch gut einschlafen können.
Am anderen Morgen ist unser erstes Ziel das Thailand-Visa. Kostet ca. 35.- p.P. und alles ist einfach, schnell und unkompliziert erledigt. Sogar schon um 15.30 am selben Tag abholbereit. Die nette französische Familie, mit der wir uns noch verplaudern, ist übrigens auch overland unterwegs… (www.majulialie.com) bewundernswert, was die so anstellen!
Wir verbringen einen spannenden Tag in Georgetown, dessen Tourismusverantwortliche einen wirklich tollen Job machen. Es gibt haufenweise zu erleben. Strassenkunst an jeder Ecke, die man per Stadtplan in einer kleinen Schnitzeljagd entdecken kann, einen Streetfood-Gourmetführer der zur besten und schärfsten Fischsuppe (Laksa) des ganzen Landes führt, Comics aus Stahldraht an den Fassaden, um was über die Geschichte der Stadt zu lernen…
Wir amüsieren uns grossartig! Als wir dann auch noch eine öffentliche Wäscherei finden, die Visageschichte erledigt ist und wir ausserdem einen gemütlichen Abend beim Tee mit anderen Touris verbringen, scheint dieser Tag ziemlich perfekt zu enden.
Leider aber nimmt die Nacht eine bitterböse Wende. Wir fallen glücklich in die Federn und fühlen uns auf dem Parkplatz (Love Lane beim Reggeahostel, overnight 4.- und WC beim Crystalhostel) so sicher, dass wir ohne Bedenken einschlafen. Am Morgen dann der Schock: Wir wurden bestohlen! Beide Handys, unsere Kamera, der eReader sowie Sonnenbrille und BH ( warum denn der BH??! Ja, das haben wir uns auch gefragt…) sind verschwunden. Der dreiste Dieb hat uns die Sachen quasi vom Nachttisch weggeklaut, während wir schliefen. So ein Zelt kann man halt schlecht abschliessen. Wir fluchen uns die Seele aus dem Leib, raufen uns die Haare über die eigene Dummheit und machen uns dann frustriert auf den Weg zur Polizei. Dort wird uns von einem runden, gemächlichen Offizier erklärt, dass das auch Einheimischen passiere und wir werden sehr freundlich und verständnisvoll behandelt. Den Rapport dürfen wir mitnehmen und die Diebe erhalten unsere schönsten Wünsche für ein fieses Gewissen.
Leider mit der Kamera auch alle schönen Fotos von Georgetown weg. Das schmerzt fast am meisten. Falls ihr euch die Strassenkunst trotzdem anschauen wollt: Google-Bildersuche.

Tasik Temenggor Nationalpark

Wir wollen jetzt so schnell wie möglich raus aus der Zivilisation und ins Grüne. Wir schütteln den Frust auf der Strasse ab und trösten uns damit, dass wir ja versichert sind und sich in Thailand bestimmt elektronischer Ersatz finden wird. Der Nationalpark fasziniert uns schon auf dem Weg, denn die Fahrt auf der Bergstrasse macht Spass und der Tourismus ist kaum mehr spürbar.
Wir verbringen 2 entspannte Tage am Wasser mit angeln und „füürle“. Das Feuer nützt uns leider nur als Beitrag zur Dschungelatmosphäre, denn fangen tun wir nichts mit unserer neu erworbenen Rute. Wir sind blutige Anfänger im fischen und verbringen die meiste Zeit damit, den Köder zu verlieren und wieder zu retten. Tipps eurerseits sind sehr willkommen.
In der Nacht lauschen wir dem exotischen Geräuschemix aus dem Dickicht und beobachten Glühwürmchen unter dem klaren Sternenhimmel. Übrigens haben wir dann später erfahren, dass dort öfters mal wilde Elefanten unterwegs sein sollen. Wir haben zwar ziemlich grosse „Bomele“ entdeckt, uns aber nichts weiter dabei gedacht. Leider (oder vielleicht auch zum Glück) sind wir den Dickhäutern nicht begegnet.

Thailand (Teil 1)

Songkhla

Wir überqueren die Grenze nach Thailand ganz im Westen, wie es empfohlen wird. Den Malayen müssen wir zwar erklären, wo sie unser Carnet de passage stempeln sollen, doch ansonsten läuft alles reibungslos, wenn man von der gewohnten Wartezeit mal absieht.
In Thailand dann gehts an der Grenze routiniert und kompetent zu. Brav anstehen, Pässe und Carnet stempeln und drin sind wir. Kein einziger Blick ins Fahrzeug, es haben alle nur freundlich gelächelt und gewunken. Hallo Thailand!
Für sage und schreibe 7.50CHF versichern wir den RoKi für 30 Tage.
Songkhla steuern wir als erstes an und lassen dort den ersten Thai-Abend auf uns wirken: Strassen sind in etwa gleich gut in Schuss wie in Malaysia, es sind mehr Pickups und Offroader unterwegs. Die Leute sind hier im Süden oft muslimisch und so sind immer noch viele bunte, im Wind flatternde Kopftücher auf den Motorrollern zu sehen.
Wir feiern die Ankunft mit einem Thai-Znacht und werden nicht enttäuscht… Feurig-frisch, aromatisch und leicht. Superlecker! Die Strandpromenade füllt sich Abends mit Teenies und jungen Familien, die sich an den, nennen wir sie „Futtertöffs“, ihre Snacks holen. Wir tun es ihnen gleich und verbringen den Rest des Abends damit, über die Dorfjugend zu schmunzeln, die prollig ihre Tuningkarren, die sie mit dröhnenden Soundsystemen und allerhand LED Discobeleuchtung verziert haben, zur Schau stellen.
Geschlafen wird im Park, neben dem Tennisplatz.

Krabi, Ao Nang

Die Kalksteinformationen in der Region Krabi sind sehr schön anzusehen. Sie ragen oft im rechten Winkel hinauf zum Himmel, sind skurril geformt, grün überwuchert oder in ockertöne getaucht. Coole Sache! Was etwas ernüchternd ist, ist dann die Menschenmenge, die daher angezogen wird. Es ist zwar Nebensaison, doch wie es zur Stosszeit aussieht, trauen wir uns gar nicht vorzustellen. Die Strassen sind gesäumt mit einem Hotel, Massagestudio, Touri-Infobüro, Tatoo-Studio und Restaurant am anderen. Wir tun, was echte Touris nun mal tun und essen was aus dem Heimatland! Im Swiss Chalet gibts Cordonbleu für ein Zehnernötli, das schmeckt wie Zuhause!
In 3 Tagen erkunden wir die Umgebung:
Unter anderem sehen wir in Railay den Amerikanerinnen beim klettern zu, auf einem Longtailboot lassen wir uns ordentlich durchschaukeln und in den Hot Springs entspannen wir im trüben Schwefelwasser. Hier in Ao Nang am Jetty gibts sogar eine Camping Area für uns – Einer der Vorteile eines touristischen Orts. Und Gesellschaft, aus welcher europäischen Ecke auch immer, ist auch massenhaft verfügbar.
Nebenbei – Die beste Fussmassage meines Lebens : Check!

Phang Nga und Khao Lak

Die Leute in diesem Ort sind so verzweifelt auf Touristenfang, dass sie sich mit ihren Tourangebots-Plakaten direkt vors Auto werfen. Die Zeit, als der James-Bond Felsen noch eine echte Attraktion war, sind wohl vorbei. Weils so heiss ist, entschliessen wir uns lieber für eine Tropfsteinhöhle. Die „Elefantenmagen-Höhle“ beeindruckt mit Stalaktiten und Stalakmiten in allen möglichen glitzernden und grusligen Variationen. Wir waten einen knappen Kilometer durchs knietiefe, kühle Wasser und lassen uns heilige Elefanten, Buddhas und versteinerte Fossilien zeigen.
Weiter in der Region Khao Lak werden uns zum ersten Mal die Folgen des Tsunamis von vor zehn Jahren vor Augen geführt. Die Resorts hier sehen verlassen aus und in kleinen Wäldchen liegt auch schon mal ein vor sich her rottendes Fischerboot. Wir folgen einem kleinen Strässchen zum Meer und finden uns an einem einsamen Strand wieder…
So haben wir uns das vorgestellt! Einmal mehr Antimückfeuer, ein weiterer missglückter Angelversuch und der Abend pendelt fischlos aber glücklich aus.

Der Weg nach Norden zieht sich nun weiter und wir planen Ende Monat in Chiang Mai anzukommen, wo wir die liebe Familie Duss & Co. Treffen. Wir freuen uns schon, mit euch ein paar Chang zu schlürfen und euch wieder mal in die Arme nehmen zu können!

Uns wünschen wir bald wieder Fotos machen zu können und per Whatsapp erreichbar zu sein und euch Daheim wünschen wir ab und an mal ein asiatisches Lächeln auf der Strasse, ein wenig Entschleunigung im Alltag und einen schönen Herbst mit viel Kapuzenpulliwetter!

Indien – Malaysia

Paradiesisches Malaysia

Es geht uns ja sowas von gut! Der Sommer 2014 in der Schweiz soll ja zu wünschen übrig lassen. Deshalb versuchen wir euch nun wenigstens literarisch ein wenig an unserem Sommergefühl teilhaben zu lassen.
Wer jedoch zu den Leuten gehört, die vor Neid grün und blau zu werden drohen, der sollte den Abschnitt Malaysia wohl besser nicht lesen, bitte. Wir haften für keine bleibenden Farbschäden.
Wer sich für die Facts interessiert: Unsere erste Statistik ist nun auch online.

Indien (Teil 3)
Kolkata

Aber wie immer wird von vorne angefangen. Bis zum 20.8. sind wir in Kolkata. Da teilen wir uns die Aufgaben in kleine, verträgliche Tagesdosen ein. Von unserem relativ luxuriösen Hotelzimmer aus, ziehen wir jeden Tag in den Stadtschungel Indiens. Einmal für eine Strassenparade (die dann schon zu Ende ist), einmal für den Besuch beim Verschiffungsagenten, einmal für den Besuch beim Don Bosco technical Institute und öfters mal um einen Schmaus für ein paar Rupien zu ergattern. Ach und auch mal für ein bisschen Sightseeing. Und immer durchgeschwitzt aber rechtzeitig wieder zurück in der sicheren Oase des Zimmers, bevor die Nerven überstrapaziert sind. Diese Strategie können wir nur empfehlen.
Was uns am besten gefällt, ist der tolle Tag bei Don Bosco. Beni hat uns auf die gute Idee gebracht, da mal rein zu schauen. Und spontan entwickelt es sich so, dass Adi und ich zum ersten Mal einen Tag als „Dozenten“ verbringen dürfen. (Und nebenbei noch rasch die Befestigung vom Solarpanel optimiert wird).
Aber eben – von vorn – das kam so:
Bei Don Bosco werden Automechaniker, Polymechaniker, Elektriker, Schlosser und Kältetechniker ausgebildet. Und das sogar ziemlich gut. Die Werkstätten, in denen wir herumgeführt werden, sind mit allen Schikanen ausgerüstet und das ganze Areal kommt äusserst gepflegt daher. Ausserdem herrscht untypisch eiserne Disziplin. Gut so.
Da RoKi für viele der Schüler ein gutes Vorzeigeobjekt ist – da ja mit Mechanik und Elektrik etc. vollgestopft – macht Frater Jose mal kurz eine Ausnahmeregelung im Lehrplan. Ganzen 6 Schulklassen präsentieren wir während dem ganzen Tag unsere rote Kiste. Wir zeigen, wo geschweisst, verkabelt, verschraubt und genietet wurde, beantworten 1000 Fragen zu unserer Reise und erklären wie wir fahren, waschen und kochen. Die staunenden Studentengesichter, die sich gespannt um uns drängeln um ja nichts zu verpassen, werden uns noch lange in Erinnerung bleiben. Todmüde von 6h hardcore-englisch-Präsentation, können wir über die tägliche Leistung unserer Lehrer-Freunde nur den Hut ziehen. Uns hats Spass gemacht und für die Schüler wars eine willkommene Abwechslung. Zitat eines Lehrers: „Seit 20 Jahren bin ich nun hier, und das war endlich mal ein Tag mit etwas Abwechslung“. Gerne doch!

Verschiffung

Wir sind ja sicher in unserem Zimmerchen einquartiert. RoKi jedoch muss draussen im Stadtgewimmel bestehen und das kann so nicht bleiben. Nach eine Odyssee der Parkplatzsuche – überall zu kleine Einfahrt – werden wir dann nach 5h in der Verkehrshölle endlich fündig. Für die nächsten: Fragt einfach euren Verschiffungsagenten nach einem sicheren Parkplatz. Uns ist das dummerweise nicht in den Sinn gekommen. Die Leute von Care Container lines, machen dort einen guten Job und wir fühlen uns angenehm umsorgt. Ob Taxishuttle zum Hotel oder halbtages-Sightseeingprogramm zur Zeitüberbrückung – alles inklusive. Der Preis ist dafür auch ziemlich hoch.
Endlich, endlich kommt der Tag des Verladens. Wir sind ja mittlerweile schon eine Woche in Kolkata und können es kaum erwarten, weiter zu ziehen.
Adi darf selber in den Container rollen. Das diesmal das Solarpanel unversehrt bleibt, nicht wie bei den vermaledeiten Hafenindern in Dubai, lassen wir grosszügig Luft aus den Reifen, spannen zusätzlich die Federn zusammen und erreichen so die 3,4cm Luft zur Containerdecke. Ganz schön knapp… Adi muss vollen Körpereinsatz geben und kriecht, von der gwundrigen Hafenmannschaft beobachtet, eifrig unter Roki herum. Alles läuft glatt und ist ausserdem herrlich amüsant für diejenigen, die zuschauen dürfen.

Malaysia

Mit dem Nachtflug von Air Asia erreichen wir Kuala Lumpur. In Sepang kurz mit Mückenspray und Sonnencrème eingedeckt und schon gehts mit dem Bus weiter nach Mersing. Ein Segen für unsere strapazierten Geister…
Weil ganz im Gegensatz zu vorher fällt uns folgendes auf:
– Die Leute schreiben ihre Preise an – für uns gilt der Preis wie für alle anderen auch.
– Wir werden freundlich angelächelt.
– Es gibt Verkehrsregeln. Und die werden befolgt!
– Der Fahrstil ist anständig. Fast schon langweilig anständig 🙂
– Die Temperaturen dümpeln zwischen göttlichen 27 und 35 Grad.
– Der Abfall an den Strassenrändern ist verglichen mit Indien geradezu ignorabel.
Kurz- Es ist fantastisch hier!! Und es kommt noch besser…

Pulau Tioman

Von Mersing aus geht unsere Fähre zur wunderschönen Ferieninsel Pulau Tioman.
Hier warten goldene Sandstrände mit haushohen Kokospalmen auf uns. Im türkisschimmernden Wasser tümmeln sich allein schon am Hausriff hunderte von Clownfischen, Papageienfischen und allerlei bunte Korallen.
Die kurze Asphaltstrasse, die durch Tekek, den Hauptort hier führt, wird von Motorrollern, auf denen fröhliche Malays sitzen, dominiert. Abends werden an den Grillständen an der Strasse frische Fische gebrutzelt und die bunten Lichter über den Plastikstühlen werden angeknipst. Obwohl Hochsaison sein soll, herrscht eine ruhige, zufriedene und durch und durch entspannte Stimmung und ein einsamer Strand ist rasch gefunden.
Mit einem leichten Wind um die Nase, einem zollfreien Bier in der Hand und den Füssen im feinen Sand, löst sich sofort auch noch das allerletzte bisschen Indienfrust in Wohlgefallen auf.
Da die Unterwasserwelt hier extrem vielfältig ist und wir volle 2 Wochen Zeit zum ausspannen haben, entschliesst sich Adi zu meiner Freude kurzum, hier seinen Tauchschein zu machen. Alles Gute zum 30sten, mein Schatz 🙂
Während also er seine Nase ins Tauchlehrbuch steckt, verbringe ich die sonnigen Tage mit Mike, unserem neuen kanadischen Freund. Mike sieht ein bisschen so aus wie Hannibal Smith aus „the A-team“, ist eine Sportskanone und lässt sich so leicht nicht aus der Fassung bringen. Schliesslich verbringt er seine Frühpension seit 3 Jahren hauptsächlich im Raum Südostasien. Er hat also schon so ziemlich alles gesehen und überhäuft uns mit seinen Tipps.
Wir klettern und wandern stundenlang im dichten Dschungel über die Insel, paddeln stehend übers Wasser, geniessen das schmackhafte, leichte Essen und schnorcheln bis wir schrumplig sind.
Adi meistert seinen Kurs mit Bravour. Er ist der Beste seiner Klasse. (naja, auch der Einzige :-))
Ab jetzt können wir gemeinsam abtauchen und vergessen bei abenteuerlichen Tauchgängen in der magischen Unterwasserwelt die Zeit komplett.
Wir sehen Haie, Schildkröten, Moränen, knallbunte Nacktschnecken, riesige Quallen, Baracudas und finden uns in scheinbar endlosen Fisch-Schwärmen wieder. Es fällt mir dazu nur einen passenden Ausdruck ein: Huere geil!!

In ca. einer Woche sollte der dritte von uns dann in KL abfahrbereit warten und wir sind wieder als Camper unterwegs. Bis dahin lassen wir hier im Swiss Cottage mal schön unsere Seele baumeln und widmen uns weiter dem hinreissenden Strand.
Ob an Adis legendärem Lagerfeuer mit neuen Bekanntschaften oder in der bezaubernden Strandbar – wir sind nun schon öfters dabei, unsere Reisegeschichten Revue passieren zu lassen. Bereits viereinhalb Monate sind vergangen und schon 16’639 km weit hat uns RoKi durch die Welt chauffiert.
Zeit für uns, das Tempo zu verlangsamen und unseren enorm vielfältigen Eindrücken mal die Gelegenheit zu geben, sich zu setzen… Beim dösen im Schatten der Bäume und mit dem Rauschen des Meeres in den Ohren klappt das ganz gut.

Ein neues Kapitel unserer Reise hat hiermit seinen geglückten Anfang genommen – Hallo Südostasien!

 

Statistiken

Wir sind nund rund 4,5 Monate unterwegs, da ist es mal Zeit für ein paar Statistiken:

(Stand 31.8.2014. Alle Angaben ohne Gewähr)

Abfahrt: Samstag 19. April 2014

Tage unterwegs: 134d

Kilometerstand bei Abfahrt: 159819 km

Kilometerstand aktuell: 176458 km

Gefahrene Kilometer: 16639 km

Diesel-Verbrauch (Durchschnitt): 11L / km

Gesamt-Dieselverbrauch: ca. 1800 Liter

Teuerster Diesel: Türkei (knapp 2.- pro Liter)

Billigster Diesel: Iran (ca. 10 Rappen pro Liter)

Besuchte Länder bisher: 16

Besuchte Kontinente: 2 (Europa, Asien)

Kürzester Aufenthalt: Slowenien, weniger als 1h

Längster Aufenthalt: Indien, 40d

Längste an einem Stück gefahrene Strecke: 750km, Mumbai – Udaipur (alles Adi)

Verschiffungen: 3x

(1x Fähre Iran-VAE, 1x Container VAE-Indien, 1x Container Indien-Malaysia)

Flüge: 5x
(Dubai-Muscat, Muscat-Mumbai, Mumbai- Kochi, Kochi-Mumbai, Kolkata-Kuala Lumpur)

Nächte im Auto geschlafen: 82x (davon 1x im Notbett)

Nächte im Hotel: 38x
(1x Mazedonien Ohrid, 1x Türkei Dogubayazit, 5x VAE Fujairah&Dubai, 7x Mumbai, 6x Alleppey, 1x Jaipur, 2x Bundi, 6x Kolkata, 1x Sepang, 1x Mersing, 8x Tioman)

Nächte als Couchsurfer: 3x (1x in Dubai, 2x in Mumbai)

Nächte eingeladen zum schlafen: 2x (1x Teheran, 1x Esfahan)

Nächte als House-sitter: 6x (Dubai)

Auf Hotelparkplätzen gecampt: 13x (2x Mazedonien, 3x Türkei, 1x Iran, 7x Indien)

Bei Tankstellen gecampt: 2x (Indien)

Bei Autowerkstatt gecampt: 1x (Albanien)

Auf Autowaschplatz gecampt: 1x (Kosovo)

Auf Supermarktparkplatz gecampt: 1x (Indien)

In Stadtparks gecampt: 10x
(5x Türkei, Iznik&Yesilova, 4x Iran, Chalus & BandarAbbas, 1x Indien, Udaipur)

Auf Restaurant-Parkplatz gecampt: 1x (Türkei, Trabzon)

Auf Hafengelände gecampt: 2x (Türkei, Akcaabat)

Im Schiff geschlafen: 1x (Fähre Iran-Sharjah)

Im Flugzeug geschlafen: 2x (Muscat-Mumbai, Kolkata-KualaLumpur)

Weggeschickt worden: 1x (Türkei, Trabzon)

Gast auf Notbett übernachtet: 2x (Chappi, Türkei)

Lagerfeuer entfacht: 2x (Iran, Malaysia)

Höchste Temperatur: 48 Grad Celsius (Dasht e Lut, Iran)

Tiefste Temperatur: geschätzte 7 Grad Celsius (Sarajevo, Bosnien)

Standheizung gebraucht: 3x (Kroatien, Bosnien)

CH-Freunde getroffen unterwegs: (Lars, Leo, Raphi, Claudia in Kroatien, Chappi & Markus in der Türkei, Sile & Beni in Indien)

Krank geworden: 1x (J&A in Mumbai, Chotzer&Schiisser)

Unfälle: 1x (Jaipur, unser Fehler. RoKi ist nix passiert, aber der „Gegner“ braucht eine neue Stossstange an seinem Honda… Problem gelöst mit 2000 Rupien in cash)

Platte Reifen: 1x (Indien, Bundi. Loch selber geflickt)

Tiere angefahren/überfahren: 1x Taube, 1x Hund (Indien). Beide habens überlebt.
Dazu 1000de tote Insekten auf der Frontscheibe

Service am RoKi: 1x Türkei, alle Filter und Öle ersetzt

Reparaturen & Defekte:

-Gasschlauch angesengt (Italien, ersetzt im Eisenwarenladen)
-Wasserverteilung, T-Stück undicht (Kroatien, ersetzt im Baumarkt)

-Wassertank, Entlüftung neu angebracht (Kroatien, Material vom Baumarkt)

-Schiebefenster hinten rechts klappert (repariert mit Knetmetall)

Kurbelwellenriemenscheibe (Crankshaft-Pulley) gebrochen. Austausch in Garage in Albanien

Riemenspanner macht Geräusche (Ersetzt während dem Service in der Türkei)

-Tankdeckel verloren (Ersatz durch Bosch- Garage in Türkei)

Zyklonfilter vom Schnorchel zerbrochen (Dubai). Repariert mit Panzertape und 2K-Leim

Starterbatterie altersschwach, Ersatz gekauft in Dubai

-Solarpanel beschädigt (bei Containerverlad in Dubai durch Hafenpersonal), Ersatz gefunden in Jaipur

Dach beschädigt, kleiner Riss in der Dachhaut: (bei Containerverlad in Dubai durch Hafenpersonal), repariert mit Knetmetall

Dieselpumpe heult und pfeift, zT schlechtes Startverhalten (seit Dubai, bis in Indien). Entlüftungsmembran ausgebaut und gereinigt (2x), Dieselfilter ersetzt. Problem gelöst

Platter Reifen in Bundi (Indien), Reserverad montiert und Loch repariert

Abblendlicht vorne rechts defekt (Indien, Agra). Ersatzbirne H4 montiert

-Standlicht vorne rechts defekt (Indien, Varanasi), Pendenzen noch offen

Wassereinbruch hinten rechts (Indien), repariert mit Knetmetall

Lampenanschluss vorne rechts Wackelkontakt (immer wieder und überall, weil leider schlechte Qualität des Steckers von Nakatanenga). Repariert mit Kabelbindern, Panzertape und verbiegen einzelner Glühbirnen-Anschlüsse)

Steinschläge auf Frontscheibe: 1x (Iran), ca. 1 cm langer Riss

Stecken geblieben: 0

Winden-Einsätze: 0

Haarschnitt Adi (Coiffeuse Janine): 3x (1x Griechenland, 1x Dubai, 1x Malaysia)

Barbier-Besuche Adi: 5x (1x Türkei, 2x Iran, 2x Indien)

Defektes Smartphone: 2x
(1x iPhone
4, 1x Sony Xperia Z), Ersatz durch Chappi in die Türkei geliefert

Likes auf Facebook: 374

Berichte online gestellt: 11

Bücher gelesen: Janine: 12, Adi:8

Fotos auf Laptop gespeichert: 4175 (22,5 GB)

Kino-Besuche: 2x (1x Mumbai, 1x Jaipur)

Tolle Leute getroffen: UNZÄHLIGE!

Andere Overland-Traveler getroffen: 2 (Spike on the bike, ToKi unterwegs)

Taschenmesser verschenkt: ca. 15 Stück

Visa’s unterwegs besorgt: 2x
(Iranisches Visum in Trabzon Türkei, 2d. Indisches Visa in Dubai, 9d!!)

Salda Gölü, Yesilova - Türkei

Salda Gölü, Yesilova – Türkei

Indien zum Zweiten

Eine leidenschaftliche Hassliebe hat sich zwischen uns und diesem Land entwickelt.
Immer mal wieder kommen wir unseren persönlichen Grenzen gefährlich nahe.
Hier mal ein Abriss unserer Erlebnisse.

Udaipur
Ein toller Zufall beschert uns der erste Abend in Udaipur. Wir sind durchgefahren und voller Enthusiasmus geben wir uns der Illusion hin, die nächsten 15 km bis in die Stadt seien ja nun sicherlich einfach zu meistern. Falsch. Es endet damit, dass wir hupend im Dunkeln durch die engsten Gässlein Udaipurs um Kühe und Rikshas zirkeln und unsere Entscheidung verfluchen. Völlig ausgelaugt und am Ende unserer Geduld, stellen wir RoKi auf den viel zu exponierten Platz nahe einer Aussichtsplattform und kochen die ersehnten Spaghetti, während die Inder uns unhöflich Nahe kommen und uns hemmunglos beglotzen. Schon fast wollen wir unserem Unmut Luft machen, da kommt ein Herr mit ganz anderen Manieren daher und bittet uns in höflichstem, wohlformuliertem Englisch, seine Mobilnummer anzunehmen. Er sei ein leidenschaftlicher Töffahrer und sehr interessiert an unserer Art des Reisens. Soweitsogut.
Weil der Herr uns so sympathisch war, beschliessen wir am nächsten Tag, ihn mal auf einen Schwatz zu treffen. Die SMS mit dem Text „I want you to be my guest at the Taj Lake Palace“ klingt verheissungsvoll und wir sind gespannt, was nun folgt.
Unglaublich, aber wahr… Der gute Herr ist tatsächlich der Manager des Taj Lake Palace (bekannt aus James Bonds „Octopussy“) und lädt uns zum Tee im luxuriösen, überwältigenden Inselpalast ein. Wir verbringen volle 2 Stunden mit Ameeya und seinem Kollegen und Küchenchef Dilipp. Super spannende Diskussionen, die weit über das übliche “ wer, woher, wohin etc.“ hinaus gehen und erhalten sogar ein indisches Kochbuch als Geschenk! Einfach unbezahlbar!

Abends finden wir in der „Krishna Ranch“, etwas ausserhalb der Stadt, einen herrlichen Schlafplatz neben einer Pferdescheune. Von 30 auf 0 hpm (honks per minute) in nur 7 km. Rekordverdächtig. Dort treffen wir auch noch auf die CH-Familie Hudson, einigen vielleicht bekannt vom Swisstravel-Festival. Nach einem gemütlichen Abend bei Ranch-Dinner, Schwiizerdütsch und Grillengezirpe haben wir so das Gefühl, dass Indien doch gar nicht so übel ist.
Aber eben… Es kann auch anders.

Wieder frohen Mutes auf RoKis Sitzpolstern platziert, geht die Fahrt weiter nach Jaipur.
Der „INDERviduelle“ Strassenverkehr verzaubert jedoch schnellstens die beste Laune in blankes Entsetzen. Was wir erleben, lässt insbesondere mich auf dem Beifahrersitz, tausend Tode sterben. Herabhängende Achsen bei Tempo 80. Kühe, Ochsen, Kälber, Munis, Ziegen und Hunde, die scheinbar alle höchst suizidgefährdet sein müssen, so wie die sichs auf dem Asphalt gemütlich machen. Geisterfahrer auf der Überholspur. Busse mit ohrenbetäubenden Hupis (die aber, wie alle anderen Hupis, einfach ignoriert werden). Einbiegenden Verkehr, ohne Blick in den Spiegel. Mehr Geisterfahrer… (Sind wir auch wirklich auf der richtigen Spur?!) Schlaglöcher. Nein, nicht das was man bei uns Schlaglöcher nennt. Richtige Schlaglöcher.
Das sind nur einige Beispiele. (Wer sich einen Eindruck machen will, der kann sich das hier anschauen. Gibt unsere Erlebnisse ziemlich genau wieder: Landrover Experience Seidenstrasse) Wir planen unsere Fahrten ab jetzt mit doppelter Zeitangabe, die das Navi angibt. Geduld soll ja die Mutter aller Tugenden sein. (Genau, eine Mutter mit Schnauz!)
Ausserdem machen uns die Armut, die wir zu sehen bekommen, sowie der Müll, der hier scheinbar niemanden stört, nachdenklich und traurig. Und manchmal auch richtig wütend. Es geht uns einfach nicht in die Köpfe, wie man so unfassbar schlampig mit Infrastruktur umgehen kann. Wie es einem egal sein kann, dass die kleinen Kinder am Strassenrand von vorbeibrausenden LKWs nur um des Schutzengels Willen nicht überfahren werden. Wie man die achsoheiligen Kühe in den verdammten stinktriefenden Müllbergen futtern lassen kann. Es ist zum heulen und wir kämpfen mit der Verzweiflung, die teilweise sogar schon in Aggression umzuschlagen droht. Wir müssen wohl lernen, mit der Rolle als geduldigen Beobachter klarzukommen. Nicht unsere Stärke.

Jaipur
Aber wie das mit der Hassliebe so ist, sehen wir bald wieder die Sonnenseiten.
Sile und Beni kommen am Flughafen in Jaipur an. Wir platzen vor Freude!!
Die nächsten 5 Tage verbringen wir gemeinsam in der „Pink City“ Jaipur. Sile und Beni schlafen in der Villa Anurag und wir gleich daneben im RoKi. Pink ist übrigens Ansichtssache.
Wir haben Glück, denn gerade als wir da sind, findet das Teej- Festival statt, das den Monsun begrüssen soll. Neben der Parade, sehen wir uns ein paar prächtige Touristen-Attraktionen an und lassen dabei die Zeit zum reden, lachen, essen und trinken nie zu kurz kommen! Sile und Beni sind eine Wohltat und tragen dazu bei, uns dank ihrem Humor und ihrer Unkompliziertheit gleich viel besser zu fühlen. Ein gutes Gespräch mit solch lieben Freunden ist wohl das beste Mittel gegen jegliche Reisefrustration.
Gemeinsam entdecken wir die Küche Rajastans, bestaunen imposante Bauwerke, quetschen uns zu 4. in Rikshaws und proBieren sämtliche Kingfisher durch.
Zu einem der vielen Highlights, in der Zeit zu viert, zählt der Kinobesuch im Raj Mandir.
Allein der Billetkauf ist schon ein Spektakel, denn die ewig langen Schlangen werden von Sicherheitsmännern mit Bambusstecken streng überwacht! Das ist auch nötig, denn die Inder vergessen sich fast vor lauter Aufregung. Als wir am nächsten Abend dann den Kinotempel betreten, überwältigt uns erst mal der Anblick des überdekorierten Interieurs. Erst recht überwältigend: Die Reaktion des Publikums, auf das Geschehen auf der Leinwand! Als der Bollywoodstar erscheint, flippt das Publikum aus, wie bei uns an einem Justin Bieber Konzert! Wir lassen uns mitreissen von der emotionsgeladenen Stimmung und buhen/johlen kräftig mit. Sprache verstehen wird völlig überbewertet.

Bundi
Weiter entdecken wir Bundi, das neben einem schönen Wasserfall auch tausende von Affen beheimatet. Die vielen Rooftop-Restaurants müssen sich mit Bambusgeflechten vor den aufmüpfigen Dieben schützen. Gegen den Gestank der Affensch***** hilft das aber leider nix.  Dafür dürfen wir dort den Luxus eines liebevoll und farbenfroh gestalteten Guesthouses geniessen, auf den wir von den beiden Lieben eingeladen werden. Unvergesslich schön!

Agra
Der Taj Mahal soll den Abschluss unserer gemeinsamen Reise bilden. Wir machen uns also zu viert auf den Weg nach Agra (RoKi ist in Indien nämlich für 6 Personen zugelassen. Zumindest interpretieren wir das so, wenn wir uns die anderen Verkehrsteilnehmer anschauen). Nach 10 h Fahrt im heissen, stickigen Verkehr erreichen wir die geschäftige Stadt… Im Dunkeln. Das soll uns nun aber wirklich nicht mehr passieren!
Der Taj wird am nächsten Tag dann ausgiebig von uns begutachtet uns fotografiert, während wir wiederum von den indischen Touristen begutachtet und fotografiert werden. In weiser Voraussicht, dass es kein Ende nehmen würde, lehnen wir schon bei den ersten Anfragen für „picture!?“ ab. In Mumbai haben wir gelernt, das so ziemlich rasch eine Kettenreaktion ausgelöst wird. Wir verstehen bis jetzt immer noch nicht ganz, was die Damen und Herren dann mit den Fotos von und mit uns wollen. So schön sind wir ja nun auch wieder nicht…
Der Taj Mahal hingegen ist es. Wirklich sehr, sehr schön!

Schweren Herzens nehmen wir nach 9 Tagen von Sile und Beni Abschied.
Wir freuen uns jetzt schon, euch Daheim wieder um uns zu wissen, ihr seid die Besten.

Varanasi
Ein Monat Indien ist nun aber genug für uns. Wir entschliessen kurzerhand, dass wir Bangladesh von der Reiseliste streichen und direkt ab Kolkata nach Malaysia verschiffen wollen. Auch Nepal fällt weg, weil der Monsun da derart Schaden angerichtet hat, das wir unsere und RoKis Sicherheit nicht den Erdrutschen ausliefern wollen. Wir nehmen die Abkürzung. Also fahren wir innerhalb von 4 Tagen via Varanasi nach Kolkata, Mutter Theresas Stadt. Varanasi ist der Ort am Ganges, wo die Hindus direkt in den Himmel kommen sollen, anstatt sich der mühsamen Wiedergeburt hinzugeben. Das Mekka Indiens. Für uns ist aber das eigentliche Schmuckstück dieser Stadt nicht die Szenerie am Ganges, wo die Hindus ihre Bräuche zelebrieren. Unsere Begeisterung fällt viel mehr auf das, was dort die Lebenden vollbringen. Eine Schweizerin hat hier vor 30 Jahren ein Hilfswerk für körperlich behinderte Kinder aufgebaut. „Kiran“ heisst das Projekt, das den Betroffenen Ausbildung in vielen Bereichen ermöglicht, wie in der Bäckerei, der Werkstatt oder in der Handarbeit. (www.kiranvillage.org)
Wir lassen uns von den aufgestellten gleichaltrigen mit Gehbehinderung erklären, was sie alles lernen und schaffen. Ein schöner Lichtblick zeigt es uns auf, inmitten der erdrückenden Armut. So kaufen wir die liebevollen Handarbeiten doppelt so gern, bei dem guten Zweck dahinter. Schon wieder also gibts ein Päckchen!
Wir parken komfortabel im Hinterhof eines Luxushotels und freunden uns mit der dortigen Wäscherei-Crew an. Der Hotelpool wird exzessiv von uns benutzt. Dort treffen wir dann auf ein Grüppchen Engländer/ Schotten, die sich für den guten RoKi begeistern. Nachdem wir wieder einmal die ganze Reiseroute heruntergebetet haben und die meistgestellten Fragen zu Einrichtung, Komfort und Dieselverbrauch beantwortet sind, stossen auch noch Holländer, Amerikaner, Schweden und weitere hinzu und so wird es ein lustiger, bierseliger Abend mit mit allen möglichen Varianten englischer Akzente.

Kolkata
Ein paar Nächte auf Tankstellen, einige Nahtoderfahrungen im Verkehr und viele viele Highway-Zollstellen später erreichen wir die Metropole der Armut, Kolkata.
Wir habens uns ehrlich gesagt schlimmer vorgestellt und sind positiv überrascht, dass die Stadt uns zeitweilig sauberer als z.B. Mumbai oder Varanasi vorkommt.
Das Verschiffungsprozedere wird nun eine Woche in Anspruch nehmen.

Durch die Abkürzung werden wir dann dafür in Südostasien mehr Zeit zum entdecken haben, so sind neu auch Kamboscha und Laos zu dem geplanten Ländern hinzugekommen (wer Tipps hat, immer her damit!). Von Anfangs September bis Ende November findet ihr uns also in der Region Südostasien, wenn ihr uns sucht.

Beste Grüsse aus dem Land der Farben.
Von den Zwei mit der roten Kiste.
Janine & Adi

VAE – Indien

Wie wir vom Luxus in die Gosse kommen.

VAE (Teil 3)

Das Visum für Indien ist rechtzeitig in unseren Händen und so können wir uns, immer noch gemütlich bei Stevens Familie einquartiert, um die Verschiffungsangelegenheit kümmern. Verschifft wird ab Dubai. Muskat, wie ursprünglich geplant, ist laut Agent momentan nicht möglich.
Vielleicht liegt’s daran, dass die Muslime den heiligen Monat Ramadan feiern und es bei der Arbeit etwas lockerer angehen als sonst. Sprich: Es wird nur ungefähr halb soviel gearbeitet und das halt auch verschoben, je nach Laune… Der eine, der kommt morgens früher und trifft den, der erst vor Mittag angefangen hat dann halt nicht mehr.
Übrigens – man darf in der Öffentlichkeit nicht essen, trinken oder rauchen.
Wir auch nicht.
So kommt es, dass wir weitere 5 Tage brauchen, bis der ganze Papierkram erledigt ist und während der Wartezeiten in den Büros heimlich in einer Ecke unseren Durst und Hunger stillen. Zum Glück sind wir nun beide Nichtraucher.

Oman wäre eines unserer ersehnten Ziele… gewesen. Leider bleibt uns wegen des gebuchten Fluges ab Muscat keine Zeit mehr und wir schieben dieses Land etwas traurig auf unsere länger werdende „das nächste Mal dann“- Liste. Von Dubai fliegen wir nach Muscat, steigen um und schweben dann im Nachtflug über die Lichter der omanischen Hauptstadt und stürzen uns im Morgengrauen direkt ins Chaos von Mumbai!

INDIEN

Mumbai

Was für ein Kontrast! Gerade noch lagen wir unter Palmen im Pool und nun fährt uns ein Taxi auf der „falschen“ Strassenseite vorbei an Müllbergen in denen barfüssige Menschen herumwühlen, durch incredible Mumbai.
Via Couchsurfing.com haben wir uns im vorhinein einen Schlafplatz bei Kushal sichern können… der Fahrer findet die Adresse sogar nach nur dreimaligem Nachfragen bei Passanten und wir stehen mit unseren Rucksäcken um 6.30 Uhr dann tatsächlich klingelnd vor seiner Tür.
Wir sind todmüde, durstig, etwas ernüchtert vom Anblick des schäbigen Treppenhauses und bereits voller Eindrücke nach der kurzen Taxifahrt durch die aufwachende Stadt mit ihrem schockierend ungeschminkten Morgengesicht.
Doch niemand reagiert auf unser Klingeln. Fast schon will die Verzweiflung Überhand nehmen, da meldet sich Kushal am Telefon. Nach dem besten Tee unseres Lebens, überlässt er uns sein Zuhause um zur Arbeit zu gehen und wir sinken zum Soundtrack „Hupkonzert“ erleichtert in die Kissen seiner Couch.
Als er Abends zurückkehrt, werden wir von seinen Freunden bekocht und geniessen, mittlerweile ausgeschlafen, den gemütlichen Abend im trockenen, während sich draussen der Monsun austobt.

Am 11.7. geben wir uns die erste komplette Dosis Mumbai. Frühmorgens (nach Kushals Tee, versteht sich) gehts mit der Autoriksha zum Bahnhof. Allein schon die Fahrt in diesem tollen Vehikel durch das Gewusel und Gehupe der Strassen Mumbais wäre ein eigenes Kapitel wert. Aber: Wir sind auch noch Zug gefahren.
Uns blasen die Ventilatoren ins Gesicht, während sich der ratternde Bummler, mit offenen Türen langsam Richtung Zentrum bewegt. An den Gleisen zieht das Leben an uns vorüber… Kinder spielen in ölig schimmernden Wasserpfützen, Wäsche trieft an den Leinen im Monsunregen, Berge von Abfall türmen sich entlang der Geleise und unser persönliches Highlight: Wir sehen jede Menge nackte Hintern. Ja, kein Witz! Wer kein Klo Zuhause hat, der macht sein Geschäft halt an den Bahngleisen. Wir gewöhnen uns nun ziemlich rasch an, statt Nase den Mund zum atmen zu nutzen
Trotz all dem fühlen wir uns erstaunlich wohl in Mumbai. Mit etwas Humor betrachtet und mal um die Ecke gedacht, ist es hier nämlich ganz super. Hier leben beispielsweise ein ganzer Haufen verschiedener Religionen friedlich beieinander, arm und reich können sich nicht voreinander verstecken und in punkto Sparsamkeit können wir uns da also eine dicke Scheibe abschneiden. Ausserdem versuchen viele junge Leute hier ihr Glück als Bollywood-Star… Wir sind also quasi mitten im L.A. Indiens Einfach mit, sagen wir mal, etwas anderen Hygienevorstellungen.
Wir verbringen den Tag damit, uns durch die Stände mit dem scharfen Futter zu probieren, den Sightseeingpfaden zu folgen, uns mit Gästen einer amerikanisch-indischen Hochzeit anzufreunden und buchen noch gleich einen Geburtstagsausflug in den Süden.
Die Leute sind anständig zu uns, wir werden weder betatscht, belästigt, noch zu arg angestarrt und uns wird bei Fragen freundliches Kopfwackeln entgegengebracht. Wir wissen dann zwar nicht, ob damit Ja oder Nein gemeint ist, verlassen uns dann einfach auf unser Bauchgefühl.
Abends dann, führt uns Kushal aus in die „rude lounge“. Er hat sich extra zu meinem Geburtstag etwas einfallen lassen. Himmlisch feines Essen, einen echten Geburtstagskuchen, und: Tanzen wie wild inmitten des aufgedrehten Bollywood-Partyvolks! Einfach unbezahlbar! 😀

Der Süden – Kerala

Die Wartezeit auf den guten RoKi wollen wir nutzen, um den Süden zu erbackpacken.
Immer wieder, wenn wir mit den vielen Indern (die sind in fast jedem Land aufgetaucht) geredet haben, waren sie alle untröstlich, dass wir den Süden ihres Landes auslassen wollen.
Also gut! Wir fliegen nach Kochi und weiter gehts, mit Alex dem Russen, den wir noch aufgabeln, nach Aleppey.
Die gesamte Region ist berühmt für ihre Ayurveda-Kuren, für die Backwaters Flusslandschaften (wo viele ihre Flitterwochen auf einem Hausboot verbringen) und für die Freundlichkeit der Leute. Tatsächlich bemerken wir einen riesigen Unterschied diesbezüglich.
Hier tragen die Herren einen kecken, gewickelten Rock, die Damen den typischen Sari und viel öfter sind in den Gesichtern neben den Farbtupfen auch echte Herzlichkeit und Freude zu sehen.
Wir nesten uns in einem schönen Guesthouse ein und machen eine ganze Woche lang entspannte Ferien. Wir essen fantastische, sauscharfe Gerichte, lassen uns in der Knatter-Riksha im bunten kleinen Städtchen herumchauffieren, kaufen haufenweise Souvenirs (das Paket ist unterwegs. Irgendwo und machen Tagesausflüge. Ein wirklich wunderschöner Ausflug war der in die Backwaters mit einem Holzkanu. Einen ganzen Tag lang rudert Babou, der Guide uns zusammen mit 2 anderen Touris (aus Basel – welch Zufall!) durch die Kanäle und Seen dieses Gebiets, das Venedig von Indien genannt wird.
Die Indischen Schönheiten schrubben gerade an den Ufersteinen ihre bunte Wäsche, die Fischer werfen ihre Netze aus und es herrscht eine betriebige Harmonie inmitten des tropischen Regenwalds. Lächelnde Gesichter heissen uns Willkommen und wir fühlen uns wie im Märchen inmitten der farbenprächtigen Vögel und abertausenden von Kokosnusspalmen (zum Glück hat unser Kanu ein Stoffdach).
Als Lunch bekommen wir frischen Fisch serviert. Alle Zutaten kommen direkt aus der unmittelbaren Umgebung…Kokosnuss-Mango Chutney, Kartoffelcurry und natürlich Reis. Dieser ist gerade mal 20m neben uns im Reisfeld gewachsen und schmeckt fantastisch fluffig frisch!
Wir werden dann auch noch vom Monsun beglückt und erleben die Wasserflut, die sich innerhalb von wenigen Sekunden über uns freisetzt, hautnah. Bis auf die Unterhosen durchtränkt und überglücklich kehren wir in unser Nest zurück.
Hier ist zwar Nebensaison, doch da unser Guesthouse im Lonelyplanet empfohlen wird, sind einige Besucher zu Gast. So verbringen wir u.a. Einen lustigen Abend mit den 2 unkomplizierten Schweizern, 2 flotten britischen Schwestern und unserem enthusiastischen russischen Freund Alex. (Er baut grad ein Hostel in Sri Lanka auf Namens FIRST, also auf nach Sri Lanka mit euch! )

Die Schattenseiten

Zurück in Mumbai, noch an die freundlichen Gesichter des Südens gewöhnt, zeigt uns dann die Stadt ganz andere Seiten. Die Rikshafahrer sind agressiv drauf und wollen uns allesamt übers Ohr hauen. Das Wort NO, wird völlig ignoriert und wir werden das erste mal richtig laut. Und das allerschlimmste: Wir werden krank. Drei mal dürft ihr raten… Genau! Oben und unten kommts raus, wir werden vor gar nix verschont. Es ist zum heulen. Erst nach 48 h, vielen Bananen und Isopräparaten können wir mal einige Schritte vors Hotel wagen. Und das immer noch extrem schwach.
In diesem Zustand wird es dann auch sehr schwer, über die schlimmen Zustände hinweg schauen zu können. Es stinkt grauenvoll, es ist überall eklig dreckig und die Bettler gehören zu praktisch jedem Strassenbild. Unser schwaches Nervenkostüm ist noch nicht bereit für eine weitere Dosis Mumbai.
Dazu gehört eine grosse Portion Toleranz, ganz viel Humor und inneren Frieden. Wenn wir uns diese Eigenschaften antrainiert haben, gehts dann wieder. Hoffentlich.
Die beiden letzten Abende (uns gehts wieder etwas besser) in der Megapolis verbringen wir in Bollywood-Kino (sehr lustig, auch wenn wir nicht verstehen was die da sprechen) und mit einer kanadischen 3er-Gruppe aus jungen Ladies, welche gerade Ferien von ihrem Wohltätigkeitsjahr in Nepal machen.

RoKi returns

Wir vermissen RoKi sehr und unsere Geduld wird stark auf die Probe gestellt, denn sein Schiff kann wegen der starken Regenfälle auch nicht entladen werden. Es dauert eine ganze Woche, bis wir endlich am Hafen unseren treuen Freund wiedersehen.
Leider sind die fiesen Hafenarbeiter gar nicht zimperlich mit ihm umgegangen und haben beim einladen in Dubai prompt das Solarpanel zerstört. „!/#*~*****!!!!“
Adi hat 100 mal betont, dass bei den Reifen die Luft raus muss!
Naja, bezahlen tun sies wenigstens. Jetzt müssen wir halt sehen, wo wir ein neues herkriegen.
Trotzdem sind wir überglücklich, unsere geliebten Sitzplätze wieder einnehmen zu können, geniessen den Luxus der eigenen 4 Wände und die Freiheit einfach mal losfahren zu können.
Auf in den Norden! Adi zeigt Talent für den Strassenverkehr der Inder und vor lauter Freude, wieder am Steuer zu sein, fährt er die knapp 800 km von Mumbai nach Udaipur gleich durch.

Fazit

Zugegeben, wir hatten sehr viele Vorurteile und wussten auch nicht, wie wir Camper uns als Backpacker so anstellen würden. Aber zum Glück hat sich uns dieses vollgestopfte, kunterbunte, laute, chaotische und wilde Land von beiden Seiten gezeigt, von der „gruusigen“ und auch von der faszinierend schönen Seite nämlich.
Wir machen uns nun auf, um mit Sile und Beni noch weitere spannende Blickwinkel Indiens zu entdecken. Könnens kaum erwarten, euch zu sehen!!

Euch Lieben Zuhause wünschen wir einen bunten, glacereichen und laaaangen Sommer, inkl. Bester Gesundheit, versteht sich!

Namaste, J&A